Verkehrsunfallstatistik: Rasen, Alkohol und Drogen

14. Februar 2011 | Themenbereich: Nordrhein Westfalen, Verkehr | Drucken

Junge Fahrer zwischen 18 und 24 Jahren verursachen überproportional häufig Verkehrsunfälle mit Toten und Verletzten. Sie verschuldeten im vergangenen Jahr 19 Prozent aller schweren Unfälle in Nordrhein-Westfalen, obwohl sie nur acht Prozent der Bevölkerung ausmachen. Dadurch starben insgesamt 114 Menschen. „Das ist erschreckend und macht uns große Sorgen. Deshalb geht die NRW-Polizei mit dem bundesweit einmaligen Projekt „Crash Kurs NRW – Realität erfahren. Echt hart.“ neue Wege, sagte Innenminister Ralf Jäger heute (14. Februar) bei der Vorstellung der Verkehrsunfallstatistik 2010 in Düsseldorf. Bei diesem Präventionskonzept werden 16- bis 19-jährige Schülerinnen und Schüler direkt und emotional für die Gefahren des Straßenverkehrs sensibilisiert. „Die jungen Leute müssen begreifen, was es heißt, an einem schweren Verkehrsunfall beteiligt zu sein oder ihn sogar verschuldet zu haben“, erklärte Jäger.

„Wir werden „Crash Kurs“ bis Ende 2012 flächendeckend in NRW einführen und damit jedes Jahr eine komplette Jahrgangsstufe von Schülerinnen und Schülern erreichen“, kündigte der Innenminister an. Polizisten, Rettungssanitäter, Notärzte, Notfallseelsorger und Angehörige von Unfallopfern schildern als direkt Betroffene ungeschönt den Schülern über die Ursachen von Verkehrsunfällen sowie über die oftmals schrecklichen Folgen. Sie erzählen von ihren ganz persönlichen Erfahrungen. Jäger: „Damit sprechen sie direkt die Gefühle an und aktivieren das Vorstellungsvermögen der jugendlichen Zuhörer“. Das Konzept wurde im vergangenen Jahr in den fünf Polizeibehörden Köln, Gelsenkirchen, Kleve, Paderborn und Gütersloh mit großem Erfolg getestet.

Im vergangenen Jahr starben 98 (Vorjahr: 110) der 18- bis 24-Jährigen im Straßenverkehr. Mit knapp einem Drittel war zu schnelles Fahren oder nicht angepasste Geschwindigkeit bei ihnen die folgenschwerste Ursache bei Unfällen mit Pkw. Den meisten jungen Menschen wurde das Rasen zum Verhängnis – 21 starben und 380 wurden schwer verletzt. „Wir wollen durch „Crash Kurs“ die Zahl der im Verkehr getöteten und verletzten jungen Leute deutlich verringern. Sie gehen oft große Risiken ein“, erklärte Jäger.

Neuer Tiefstand bei der Zahl der Toten

Im vergangenen Jahr starben in Nordrhein-Westfalen insgesamt 550 Menschen im Straßenverkehr. Das sind 70 Verkehrstote weniger als im Vorjahr (-11,3 %). Dies markiert einen neuen Tiefstand seit Einführung der Verkehrsunfallstatistik im Jahr 1953. Die Zahl der Schwerverletzten verringerte sich um knapp zehn Prozent auf 12.225 (-1.321) – ebenfalls ein historischer Tiefstand. Nicht anders bei den Leichtverletzten: Hier sank die Zahl um 6,6 Prozent auf 60.533 (-4.286).

„Die Straßen in NRW gehören nach wie vor zu den sichersten in Deutschland“, sagte der Minister. Das Risiko, im Straßenverkehr tödlich zu verunglücken, sei in keinem Flächenland niedriger. „Die Verkehrssicherheitsarbeit wirkt. Wir werden uns aber nicht auf dem Erreichten ausruhen. Wie könnten wir auch zufrieden sein, wenn jede Woche zehn Menschen durch Verkehrsunfälle zu Tode kommen“, meinte Jäger.

Die Zahl aller von der Polizei registrierten Unfälle stieg im vergangenen Jahr um 3,9 Prozent auf 582.110 (+21.867). Der Anstieg erfolgte ausschließlich bei den sogenannten Bagatellunfällen. Verkehrsexperten führen dies auf die außergewöhnlichen Schneelagen in den Monaten Januar, Februar und Dezember zurück. Außerdem stellt die Polizei fest, dass sich immer mehr Unfallbeteiligte auch bei leichten Sachschäden an die Polizei wenden.

Tote vor allem durch Rasen, Nichtanschnallen, Alkohol und Drogen

Die NRW-Polizei wird auch zukünftig konsequent gegen die Hauptursachen für tödliche Verkehrsunfälle vorgehen. Das sind Rasen, Nichtanschnallen sowie Fahren unter Alkohol und Drogen. „Diese drei Killer sind für mehr als 50 Prozent der Verkehrstoten verantwortlich“, machte der Minister deutlich.

Im vergangenen Jahr starben 207 Menschen wegen zu schnellem Fahren. Das ist mehr als jeder dritte Verkehrstote. „Deshalb wird die Polizei neben der Prävention weiter auf intensive Geschwindigkeitskontrollen setzen“, erklärte Jäger. Hierbei nutzt die Polizei modernste Technik. So kann sie jetzt mit speziellen Lichtsensoren alle Fahrstreifen in beiden Fahrtrichtungen gleichzeitig und Kurvenverläufe überwachen.

Selbst mit hoher Geschwindigkeit rasende Motorradfahrer werden erwischt: Auch deren Kennzeichen können fotografiert werden.

Beim Tod von 67 Menschen im Straßenverkehr spielte Alkohol- und Drogenkonsum eine Rolle. Das sind elf Prozent aller Verkehrstoten des letzten Jahres. Darüber hinaus wurden 935 Verkehrsteilnehmer auf Grund von Alkohol und Drogen am Steuer schwer verletzt, das ist ein Anteil von 7,8 Prozent.

Im vergangenen Jahr starben 26 Menschen, die nicht angeschnallt waren. Im Jahr davor waren es 58. Das ist auch ein Erfolg der NRW-Gurt-Kampagne „ER hält alles! Der Profi fährt mit Gurt.“ mit Nationaltorhüter Manuel Neuer. Zum Vergleich: Vor fünf Jahren starben noch 98 Menschen in Fahrzeugen, die nachweislich nicht angeschnallt waren. „Der Gurt ist Lebensretter Nummer 1. Ich kann deshalb nicht verstehen, dass es immer noch Menschen gibt, die sich im Auto nicht anschnallen. Ihnen müsste klar sein, dass sie leichtfertig mit ihrem Leben spielen“, sagte der NRW-Innenminister.

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