Deutsche Experten zum Thema Risikoanalyse und Notfallplanung in China

10. Februar 2011 | Themenbereich: Bevölkerungsschutz | Drucken

Bei der Optimierung des chinesischen Katastrophenmanagements ist seit 2009 das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und der Bundesanstalt Technisches Hilfswerk (THW) ein wichtiger Projektpartner der Volksrepublik China. Eine weitere Etappe der Kooperation wurde nun in der zweiten Januarhälfte erreicht. Dazu reisten deutsche Experten nach China und führten dort Workshops für Angehörige von Katastrophenschutzbehörden durch. Auslöser des „Sino-German Disaster Risk Management-Projektes“ war das verheerende Erdbeben, das 2008 in der Provinz Sichuan über 87.000 Todesopfer forderte.

Nachdem inzwischen zahlreiche Funktionsträger aus der chinesischen Administration an der BBK-eigenen Akademie für Krisenmanagement, Notfallplanung und Zivilschutz (AKNZ) sowie an der Bundesschule des THW über das deutsche System des Bevölkerungsschutzes informiert und in speziellen Fragestellungen des Katastrophenschutzes ausgebildet wurden, starteten GIZ und BBK mit Workshops an zwei ausgewählten chinesischen Pilotstandorten das Teilprojekt „Risikoanalyse und Notfallplanung“.

In einem ersten Schritt wurden in der Regierungsunmittelbaren Stadt Chongqing am Zusammenfluss von Jialing und Jangtsekiang (Zentralchina) sowie in Guangzhou in der Provinz Guangdong (Südküste) mit den Städten Shenzhen und Heyuan spezielle mehrtägige Workshops zur Methodik der Risikoanalyse durch das Projektbüro der GIZ unter Leitung von Christof Johnen gemeinsam mit Peter Wilde von der AKNZ organisiert.

Ein Expertenteam des BBK mit Susanne Lenz, Dr. Andre Walter und Dr. Wolfram Geier zeichnete fachlich für die Workshops verantwortlich und führte sie vor Ort inhaltlich durch. Teilnehmer auf chinesischer Seite waren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Katastrophenschutzbehörden (Emergency Management Office – EMO) auf kommunaler und Provinzebene sowie von einschlägigen anderen Behörden, wie Wetterdienst, Wasser- und Landwirtschaftsämtern, Verkehrsbehörden, Polizei und Feuerwehr. Fachlich aufmerksam begleitet wurden die Workshops durch Vertreter der Chinese Academy of Governance (CAG) bzw. des National Institute of Emergency Management (NIEM) aus Peking.

In beiden Workshops vermittelten die BBK-Experten die theoretischen und methodischen Grundzüge der Risikoanalyse im Bevölkerungsschutz, wie sie vom BBK in den vergangenen Jahren für Deutschland entwickelt worden war. Theorie und Methodik wurden dann durch praktische, szenarienbezogene Beispieldarstellungen ergänzt. In Arbeitsgruppen wurde anschließend anhand selbst gewählter chinesischer Fallbeispiele die technische Anwendung der Methode erprobt.

In den sehr konstruktiven und lebhaften Workshops und Arbeitsgruppen wurde von chinesischer Seite zielsicher und schnell das Beherrschen des methodischen Ansatzes geübt und erfolgreich demonstriert. Darüber hinaus wurden bereits in den Workshops wichtige Diskussionen über die notwendige Anpassung der Methode, der zu betrachtenden Risiken, der Eintrittswahrscheinlichkeiten und vor allem der Schadensschwellenwerte auf chinesische Verhältnisse geführt.

In den Nachbesprechungen zu den Workshops wurde einvernehmlich festgelegt, dass in den Städten Shenzhen (13,1 Mio. Einwohner) und Heyuan (3,5 Mio. Einwohner) sowie im Stadtbezirk Jiulongpo (1,7 Mio. Einwohner) der Regierungsunmittelbaren Stadt Chongqing (28 Mio. Einwohner) in den kommenden Monaten reale Risikoanalysen in Form von Piloten nach dem deutschen Modell durchgeführt und im Sommer 2011 mit dem Expertenteam des BBK gemeinsam ausgewertet und weiterentwickelt werden. Sofern die Pilotstandorte entsprechende Ergebnisse erzielen, wird sich der Staatsrat der Volksrepublik China mit dem Thema befassen und eine Entscheidung bezüglich der Einführung dieses Planungsinstrumentes für das Katastrophenmanagement treffen.

Nächstes Ziel des Teilprojektes ist es, auf der Grundlage der Erkenntnisse der Risikoanalysen die Notfallplanung zu verbessern und Standards für die Erarbeitung von Notfallplänen auf den verschiedenen Verwaltungsebenen einzuführen. Auch hier werden wieder die Experten des BBK gemeinsam mit Praktikern aus anderen deutschen Behörden und Unternehmen unterstützend tätig sein.

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