Polizeiliche Kriminalstatistik nicht fehlinterpretieren

4. Februar 2011 | Themenbereich: Bund Deutscher Kriminalbeamter, Hamburg, Interessenvertretungen | Drucken

„Der BDK begrüßt den weiterhin vorherrschenden Trend niedriger Fallzahlen, der, wie an der Halde von derzeit über 1 Million Überstunden ablesbar, zum größten Teil auf das hohe Engagement der Kolleginnen und Kollegen der Hamburger Polizei zurückzuführen ist“, so der BDK-Landesvorsitzende André Schulz. „Bei der Betrachtung der PKS darf nicht vergessen werden, dass im Wesentlichen die Massenkriminalität abgebildet wird. Die Statistik ist nicht mehr als eine Strichliste. Einzelne Straftaten, wie zum Beispiel ein Mord oder eine Vergewaltigung, die wegen ihrer Schwere massiven Personal- und Technikeinsatz erfordern, zählen in dieser Statistik nicht mehr, als beispielsweise der einfache Ladendiebstahl. Die PKS wird deshalb gerne von den politisch Verantwortlichen dazu benutzt, das tatsächliche Kriminalitätsbild trügerisch zu verzerren“, so Schulz. „Wenn der Innensenator sich heute über den Rückgang beim Raub und Diebstahl freut, ignoriert er die Tatsache, dass man heute im Internet ‚ausgeraubt und beklaut‘ wird, nicht mehr auf der Straße. Da die Verantwortlichen es aber selbst 20 Jahre nach Einführung des Internets immer noch nicht geschafft haben, der Hamburger Kriminalpolizei ausreichend Internet-PC zur Verfügung zu stellen, ist schon ein Armutszeugnis“, so Schulz weiter.

„Darüber hinaus führt die Personalknappheit bei der Polizei bei gleichzeitiger hoher Einsatzbelastung, die bereits zu einem deutlich erhöhten Krankenstandes geführt hat, dazu, dass insbesondere für die konsequente und nachhaltige Verfolgung der Kontrolldelikte, wie beispielsweise der Drogenkriminalität und der Bekämpfung der Organisierten Kriminalität, kaum noch Personal vorhanden ist. In der Statistik zeichnet sich das dann durch sinkende Fallzahlen ab. Damit ist dann aber nicht die Wirklichkeit abgebildet. Die Bürgerinnen und Bürger werden hier seitens der Verantwortlichen seit Jahren gezielt getäuscht“, so BDK-Chef Schulz.

Der BDK kritisiert seit Langem die geringe Aussagekraft der PKS und fordert stattdessen einen umfassenden Sicherheitsbericht, der sich auch mit den Phänomenen und Entwicklungen im so genannten „Dunkelfeld“ der Kriminalität beschäftigt. Die Polizeiliche Kriminalstatistik bildet nur den polizeibekannten Bereich ab. „Fälle der Organisierten und der Wirtschaftskriminalität, sowie politisch motivierte oder schweren Gewaltkriminalität sind wesentlich bedrohlicher und schädlicher, als die weitestgehend rückläufige Massenkriminalität“, so der BDK-Landeschef. „Studien von namhaften Unternehmensberatungen bestätigen dies und sprechen von einem rasanten Anstieg der Wirtschaftskriminalität mit immensen Schäden für die Wirtschaft“, so Schulz.

Positiv wirkte sich dagegen, auch wenn aktuell so mancher selbsternannte Experte etwas anderes behauptet, die Einrichtung der ZD 68 für den Bereich des Haus- und Wohnungseinbruchs aus. „Man hat spät auf Erfolg versprechende Faktoren, wie die zentralisierte und konsequente täterorientierte Bearbeitung und die Erkennung von Serien, aber auch die Beschleunigung der DNA-Auswertung und eine zielgerichtete Hehlereibekämpfung gesetzt,“ so Schulz zu diesem den Bürger besonders betreffenden Deliktsbereich. „Für eine langfristige Trendwende und Verbesserung der Fallzahlen sowie der Aufklärungsquote bedarf es jedoch eines langen Atems. Die Ergebnisse zeigen uns, dass es ein wichtiger und richtiger Schritt war. Jetzt gilt es, sich nicht auszuruhen, sondern den eingeschlagenen Weg konsequent weiter zu verfolgen.“

„Festzuhalten bleibt: Nackte PKS-Zahlen sind wenig aussagefähig und ungeeignet, einen weiteren Personalabbau bei der Hamburger Kriminalpolizei zu rechtfertigen“, so Schulz mit kritischem Blick auf die Personalentwicklung der letzten Jahre. „Das scheinen die politisch Verantwortlichen aber endlich auch begriffen zu haben. Die von den Parteien im Wahlkampf angekündigte Einstellungsoffensive bei der Polizei ist der richtige und längst überfällige Schritt. Zudem müssen umgehend die im IT-Bereich dringend notwendigen Rahmenbedingungen geschaffen und endlich Internet-Zugänge bereitgestellt werden.“

Ihre Meinung ist uns wichtig,
kommentieren Sie diesen Artikel!

Jedoch, auf Cop2Cop gilt die Netiquette als Leitfaden für die Kommunikation. Alle Beiträge werden von Administratoren geprüft und freigeschaltet. Beiträge, die persönliche Beleidigungen, Diffamierungen, rechtswidrige Texte oder Werbung beinhalten, werden ebenso unkommentiert entfernt, wie Off-Topic-Beiträge und SPAM. Zeilen und Absätze brechen automatisch um. Die E-Mail Adresse dient internen Zwecken und wird nie angezeigt.