Serienstar im Schnupperpraktikum

3. Februar 2011 | Themenbereich: Aktuell | Drucken

Verbrecher festnehmen, sie verhören und auch Schießen muss Annekathrin Bach als Kommissarin Leonie Stern jeden Mittwoch in der ZDF-Serie Küstenwache. Um möglichst echt zu wirken, lernte sie im Januar gemeinsam mit Regisseurin Frauke Thielecke richtige Polizeiarbeit kennen:  Seit über 50 Folgen jage ich als Kommissarin Leonie Stern bei der Küstenwache nun schon Verbrechern hinterher. Ich habe geschossen, festgenommen, verhört – zu Lande und zu Wasser. Jede Woche klärt das Team der Küstenwache Entführungen, Erpressungen und Morde auf, stets erfolgreich und immer in nur 45 Minuten. Das geht – im Fernsehen.

Dass die Realität bei der Bundespolizei anders aussieht war mir natürlich schon klar. Aber wie genau? Was machen die echten Kollegen den lieben langen Tag? Und wie geht es im Detail: Wie lege ich Handschellen an, wann darf ich schießen, wann lieber den Schlagstock nehmen? Diese Fragen tauchten immer wieder bei den Dreharbeiten für die ZDF-Serie „Küstenwache“ auf. Mittlerweile weiß ich, dass Handschellen Stahlfesseln heißen, dass man nicht einfach losballert, sondern „nur im äußersten Notfall von der Schusswaffe Gebrauch macht“ und der Schlagstock streng genommen ein „Einsatzstock kurz ausziehbar“ ist.

Diese Erkenntnisse habe ich einer wunderbaren zweitägigen Einführung in die polizeiliche Arbeit im bundespolizeilichen Aus- und Fortbildungszentrum (BPOLAFZ) Oerlenbach zu verdanken. Moment – eine Frau der Küstenwache im tiefen Franken? Die kleine Vorgeschichte ist schnell erzählt: Im September 2010 war ich Schirmherrin des Frauenlaufs in Oerlenbach und bin selbst mitgelaufen. In einem Gespräch mit Hilmar Heppt, tauchten dann genau die oben beschriebenen Fragen nach dem Unterschied zwischen Fernsehen und Realität auf. Und schnell war die Idee geboren, dass ich für einen kleinen Lehrgang wiederkomme. Ich hatte mir erhofft, dass ich ein wenig bei der Ausbildung mitlaufen darf und so ein paar Eindrücke aus dem Alltag gewinne.

Aber meine Erwartungen wurden weit übertroffen: die Regisseurin Frauke Thielecke, die ich für die Unternehmung gewinnen konnte, und ich bekamen eine wahre Flut an Informationen, jede noch so naive Frage wurde uns gewissenhaft beantwortet und dank des tollen Polizeitrainerteams und der Ausbilder der Kriminalistik hatten wir ein volles Programm. Es reichte von einer Schulung in der Raumschießanlage, über das Durchsuchen, Fesseln und Abführen eines polizeilichen Gegenübers, bis zu einem Lehrgang zum Thema Vernehmung (Frauke Thielecke wurde sogar gleich als schnell schreibende Protokollführerin eingesetzt). Aber nicht nur die vermittelten Inhalte waren spannend und hilfreich für meine Arbeit als Schauspielerin, sondern auch die ganze Umgebung. Zu sehen wie die Auszubildenden untergebracht sind, mit ihnen in der Kantine zu essen und ihren Umgang miteinander zu erleben, hat mir viele Anregungen für meine Rolle der Leonie Stern gegeben.

Sicherer Umgang mit der Dienstpistole

Mein Eindruck war, dass hier viel Wert darauf gelegt wird, verantwortlich mit sich, den Kollegen und den Entscheidungen, die dieser Beruf mit sich bringt, umzugehen. Und das hat letztlich auch meinen privaten Blick auf Polizeibeamte und die Polizei im Allgemeinen ein Stück weit verändert. Ich hatte oft ein diffuses Schuldgefühl und Unbehagen bei der Begegnung mit Polizisten und auch unser Umgang mit Beschuldigten und Zeugen in der Serie ist oft von Misstrauen und Argwohn geprägt. Im BPOLAFZ hingegen versteht man sich offensichtlich als „Dienstleister an der Gesellschaft“, wie Thomas Leuthardt mir in einem Gespräch sagte; es wird vermittelt, dass es in der Polizeiarbeit vor allem um Transparenz der Maßnahmen und Konfliktlösung durch Kommunikation und Deeskalation geht.

Ich möchte diesen kleinen Erlebnisbericht also auch gern nutzen, um mich sehr herzlich bei allen Beteiligten zu bedanken, dass ich diese Einblicke in die polizeiliche Arbeit erhalten durfte. Allen voran bei Thomas Lehmann, der sofort seine Zustimmung gab und sehr offen zum Gespräch zur Verfügung stand.

Sicher wird es weiter große Unterschiede zwischen Polizeialltag und unserer Arbeit in der Serie geben – und das ist auch gut so. Wenn wir eine Vernehmung in voller Länge zeigen würden oder eine echte Observation, hätten wir wohl ziemlich schnell keine Zuschauer mehr, die sich zu Recht auf Spannung und Action freuen. Aber ich hoffe, es gelingt mir einiges von dem Gelernten und Erlebten in meiner Rolle spürbar zu machen. Und dann freue ich mich, wenn Sie mittwochs um 19:25 Uhr die Küstenwache im ZDF einschalten und nicht mehr ganz so oft den Kopf schütteln müssen!

Ihre Annekathrin Bach

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