Zukunftsperspektiven der jungen Generation

28. Januar 2011 | Themenbereich: Innere Sicherheit, Schleswig-Holstein | Drucken

Die Landesregierung hat heute (28.1.) dem Kieler Landtag den Bericht „Zukunftsperspektiven der jungen Generation in Schleswig-Holstein“ vorgestellt, der sich auf die 16. Shell-Jugendstudie bezieht. Sozialminister Dr. Heiner Garg betonte in seiner Rede: „Der Optimismus unter Jugendlichen hat gegenüber der vorherigen Studie von 2006 deutlich zugenommen, 59% blicken zuversichtlich in die Zukunft.

  • Jugendliche sind heute deutlich familienorientierter als früher: über 90% haben ein gutes Verhältnis zu ihrer Familie, mehr als ¾ sagen für sich, dass sie eine eigene Familie brauchen, um glücklich leben zu können und 69% der befragten Jugendlichen wünschen sich eigenen Nachwuchs.
  • Das Interesse junger Leute an Politik und die Bereitschaft zu sozialem Engagement nehmen insgesamt wieder zu. Allerdings, so die Studie, sind es eher die sozial besser gestellten, die sich interessieren und engagieren. Die Studie bezeichnet Jugendliche als „pragmatisch und unangepasst“: Das bedeutet: Einerseits stehen für 60% von ihnen Fleiß und Ehrgeiz hoch im Kurs. Andererseits sagen 70%, dass es richtig ist, sich gegen Missstände in Gesellschaft und Arbeitswelt zur Wehr zu setzen. Eine gesunde Mischung also, die mit „No Future“ nichts mehr zu tun hat.
  • Bildung wird als Schlüssel und Erfolgsfaktor für die persönliche Zukunft gesehen. Dementsprechend sind junge Menschen ohne Schulabschluss pessimistischer als solche mit Abschluss. Insgesamt sind 71% der Jugendlichen überzeugt, dass sich ihre beruflichen Wünsche erfüllen werden. Das ist eine deutliche Trendwende gegenüber früheren Erhebungen.
  • Jugendliche sind an Leistung und Aufstieg interessiert und suchen individuelle Möglichkeiten, ihre Ziele umzusetzen. Die Studie bilanziert: „Nach wie vor erweisen sich Jugendliche in Deutschland als selbstbewusste Generation, die es gelernt hat, mit dem gesellschaftlichen Druck umzugehen und sich auch unter schwierigen Rahmenbedingungen zu behaupten“.

Ich meine, dass der in der Studie dokumentierte Optimismus berechtigt ist: Demografischer Wandel, der oft als Herausforderung, manchmal sogar als Schreckgespenst gesehen wird, bedeutet eben auch: Junge Menschen haben zukünftig sehr gute Aussichten auf dem Arbeitsmarkt. Damit haben sie auch sehr gute Aussichten, ein Leben zu verwirklichen, das ihren Vorstellungen entspricht.

Es gibt aber auch Differenzierungen und es gibt Schattenseiten: Sechs Prozent der Jugendlichen sehen ihre Zukunft, ich zitiere die Studie, „eher düster“. Dies sind ganz überwiegend sozial benachteiligte junge Menschen. Diese 6% entsprechen auch den Resultaten der beiden vorangegangenen Shell-Studien. Diese Zahlen können niemanden überraschen. Unter nachteiligen Lebensbedingungen, mit teilweise unzureichendem Bildungszugang und daher absehbar negativen persönlichen Aussichten ist es nicht verwunderlich, dass junge Menschen keine Zuversicht, kein Selbstvertrauen und keine positive Haltung zu ihrer Umgebung entwickeln. Überraschend angesichts der Zahl der von Armut betroffenen und bedrohten jungen Menschen ist eigentlich eher, dass „nur“ 6% der Jugendlichen eine eindeutig negative Sicht auf ihre Zukunft haben. Was aber umgekehrt bedeutet, dass eben auch viele Jugendliche in schwierigen Rahmenbedingungen den Kopf nicht hängen lassen und eine grundsätzlich offene Haltung an den Tag legen. Wir sollten diese nutzen und junge Menschen da abholen, wo sie sind. Der angesprochene demografische Wandel bedeutet nämlich auch für junge Menschen mit nicht so gutem Bildungsabschluss, dass Unternehmen ihnen heute Chancen am Arbeitsmarkt bieten, die es vor 10 Jahren noch nicht gegeben hätte. Die Landesregierung nimmt junge Menschen in den Blick, deren Lebenslagen durch soziale und andere Teilhabebeschränkungen gekennzeichnet sind und deren Zukunftschancen ohne Ausgleich deutlich eingeschränkt wären. Die in der Shell-Studie thematisierte integrierte Jugend-, Familien, Bildungs- und Integrationspolitik setzt die Landesregierung vielfältig um. In umfangreichen Maßnahmen in Kitas, in Schulen oder mit dem Handlungskonzept Schule & Arbeitswelt, den Bildungspatenschaften sowie in der Jugendhilfe setzt sich die Landesregierung für ein gutes Aufwachsen in Schleswig-Holstein ein.
Für das Handlungskonzept Schule & Arbeitswelt bedeutet dies zum Beispiel: Für rund ein Drittel aller Teilnehmer hat sich eine reelle Chance für einen gelungenen Start ins Arbeitsleben ergeben, für ein weiteres Drittel haben sich die Chancen deutlich erhöht.

Ein weiteres positives Beispiel ist das von der Landesregierung geförderte Projekt „Ausbildung und Integration für Migranten – AIM“, das die Türkische Gemeinde in Schleswig-Holstein auf die Beine gestellt. Damit wollen wir die Teilhabe von jungen Migrantinnen und Migranten am Ausbildungsmarkt nachhaltig verbessern.

Zu weiterem zukünftigen Engagement der Landesregierung: In diesem Jahr wollen wir ein Bündnis für Teilhabe auf die Beine zu stellen – eine konzertierte Aktion von Land, Kreisen und kreisfreien Städten, von Verbünden und Unternehmen. Wir wollen die bestehenden Aktivitäten und Maßnahmen zur Stärkung der sozialen Einbindung und der Bildungsbeteiligung von benachteiligten Kindern und Jugendlichen noch besser abstimmen, koordinieren und ergänzen. Dafür brauchen wir die gemeinsame Anstrengung aller Kräfte und Akteure. Unser Ziel ist, dass zukünftig noch mehr Jugendliche positiv in die Zukunft schauen“.

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