Mindestlohn im Sicherheitsgewerbe steigt auf 6,53 Euro

28. Januar 2011 | Themenbereich: Berlin, Brandenburg, Security | Drucken

Beschäftigte des Berliner und Brandenburger Wach- und Sicherheitsgewerbes bekommen mehr Geld. Rückwirkend zum 1. Januar 2011 wird die Lohnuntergrenze von 6,00 auf 6,53 Euro angehoben. Der entsprechende Tarifvertrag wurde jetzt durch die Arbeitsressorts für allgemein verbindlich erklärt, wie Brandenburgs Arbeitsminister Günter Baaske heute in Potsdam auf einer Pressekonferenz mit Vertretern von Gewerkschaften und Arbeitgebern bekannt gab: „Damit gilt dieser Tarif künftig als Mindestlohn für alle Unternehmen. Lohndumping wollen wir damit stoppen!“

Zugleich forderte er bundesweit weitere Mindestlöhne. Baaske: „Am besten einen allgemeinen Mindestlohn, damit alle wissen, wo die Untergrenze liegt und die Kleinstaaterei für zig Branchen und Nebengewerke aufhört. Die schwarz-gelbe Bundesregierung wehrt sich dagegen noch vehement. Viele Arbeitgeber sind deutlich weiter, wie jetzt das Sicherheitsgewerbe zeigt. Sie haben erkannt, dass gute Arbeit faire Löhne braucht.“

Mit dem neuen Tarifvertrag wird in Berlin und Brandenburg in der untersten Entgeltgruppe erstmals länderübergreifend der gleiche Lohn gezahlt. Ab 2013 soll das für alle Lohngruppen dieser Branche gelten und der Mindestlohn auf 7,50 Euro ansteigen. Baaske: „Das ist ein wichtiges Signal und hat Vorbildcharakter für andere Branchen.“

Der Tarifvertrag wurde zwischen den Landesgruppen Berlin und Brandenburg des Bundesverbandes Deutscher Wach- und Sicherheitsunternehmen (BDWS) und dem ver.di Landesbezirk Berlin-Brandenburg abgeschlossen. Damit er auch für Unternehmen verbindlich ist, die nicht dem Verband angehören, haben ihn die Arbeitsressorts von Berlin und Brandenburg nach entsprechenden Beschlüssen der Tarifausschüsse beider Länder jetzt für allgemeinverbindlich erklärt. Voraussichtlich Mitte Februar wird die Allgemeinverbindlicherklärung im Bundesanzeiger bekanntgemacht. Damit tritt der Tarifvertrag rückwirkend zum 1. Januar 2011 in Kraft. Er gilt für rund 7.000 Beschäftigte in Brandenburg und 13.000 in Berlin.

Baaske: „Immer noch viel zu häufig müssen Beschäftigte ihre Gehälter mit Hartz IV aufstocken lassen. Mit dem neuen Tarifvertrag ist der Weg zum Mindestlohn von 7,50 Euro in der Wach- und Sicherheitsbranche fest abgesteckt. Das ist ein wichtiger Etappensieg im Kampf für existenzsichernde Löhne.“

Matthias Schulze, Vorsitzender der BDWS-Landesgruppe Brandenburg: „Die private Sicherheitswirtschaft gewinnt immer mehr Bedeutung innerhalb der Sicherheitsarchitektur unserer Gesellschaft. Gerade in diesem sensiblen Segment kann und darf es nicht sein, dass über Niedriglöhne zu Lasten der Mitarbeiter ein ruinöser Wettbewerb geführt wird. Die Tatsache, dass auf Bundesebene die Branche mit Ihren 170.000 Beschäftigten und deren Situation kaum Beachtung findet, ist äußerst bedauerlich. Das der im April 2010 abgeschlossene Mindestlohntarifvertrag zwischen ver.di und BDWS trotz der Geltung des Arbeitnehmerentsendegesetzes für das private Sicherheitsgewerbe von Teilen der schwarz-gelben Bundesregierung und nahestehenden Arbeitgeberverbänden bislang blockiert wird, ist völlig kontraproduktiv. Umso erfreulicher ist es, dass die politisch Verantwortlichen in Brandenburg und Berlin mit der Erklärung der Allgemeinverbindlichkeit einem auf Lohndumping basierendem fragwürdigen freien Spiel des Marktes einen Riegel vorgeschoben haben.“

Jürgen Stahl, ver.di-Landesfachbereichsleiter für Besondere Dienstleistungen Berlin-Brandenburg: „Mit dem Abschluss des Entgelttarifvertrages haben wir es geschafft, dass am Ende der Laufzeit ein einheitlicher Tarif im Wach- und Sicherheitsgewerbe für den Wirtschaftsraum Berlin-Brandenburg gilt, der durch die Allgemeinverbindlicherklärung abgesichert ist. Voraussetzung ist allerdings, dass auch der bundesweite Mindestlohntarifvertrag, den ver.di und der BDWS abgeschlossen haben, umgesetzt wird. Bisher scheitert dieses an der Verweigerungshaltung der FDP und der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände. Gerade unter der Prämisse der Öffnung der Arbeitsnehmerfreizügigkeitsgrenzen zum 01. Mai 2011 ist es wichtig, die Löhne in dieser Branche abzusichern und nicht dem freien Spiel des Lohndumpings zu überlassen.“

Die Lohnuntergrenze betrug seit Beginn 2010 in Brandenburg 6,00 und in Berlin 6,25 Euro pro Stunde. Die neue Grenze von 6,53 Euro gilt für Hilfsarbeiten und angelernte Tätigkeiten. Stufenweise wird dieser Mindestlohn zum 1. März 2012 auf 7,00 Euro und zum 1. Januar 2013 auf 7,50 Euro erhöht. Baaske: „Von 6,00 auf 7,50 Euro, das ist eine Erhöhung um insgesamt 25 Prozent. Das ist ein guter Sprung, auf den sich die Beschäftigten zu Recht freuen können.“

Für qualifizierte Tätigkeiten erreichen die Löhne bereits heute 7,50 Euro und mehr. So bekommt ein Facharbeiter in Berlin und Brandenburg 9,50 Euro pro Stunde ausgezahlt. Der Satz erhöht sich mit dem neuen Tarifvertrag ebenfalls stufenweise ab 1. März 2012 auf 9,70 und ab 1. Januar 2013 auf 9,90 Euro.

10 Kommentare
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  1. Sehr gut für unsere Kollegen. Wir hoffen, dass es weiter nach oben geht denn jeder sollte von seinem verdienten Geld überleben können.

    Leider bedenkt Niemand , dass es den Unternehmen nicht gut tun kann wenn man so etwas rückwirkend umsetzt. Kalkulationen sind doch schon eng genug damit man überhaupt an Aufträge heran kommt. Erhöhte Personalkosten führen nun unumgänglich zu einem schlechten Ergebnis für „Januar“…

  2. Mahlzeit Ihr alten Sicherheitsnadeln in Berlin !

    Nun ist Er endlich da,der Mindestlohn wird auch Zeit.Unsere Firmenchefs werden kaum
    schlafen können. ( wie können wir die Prozente kürzen).Mal sehen wie Sie bei Pippe den
    Betriebsrat unter Druck setzen,eine Vereinbahrung zu Unterschreiben das dieses
    legitiemiert.Nun gut gehen wir mit einem größeren Sack zur Bank und holen unsere Kohle.
    Am besten rechnet mann nur Hilfstätigkeiten ab ( 6,53 ) den Kunden wird es freuen.
    Es werden bei uns kaum Hilfstätigkeiten ausgeführt.Alarmaufschaltungen EMZ,BMZ.
    Computerarbeitsplätze sind fast überall vorhanden.Aber wir wollen nicht Klagen,gute
    Miene zum bösen Spiel. Viele Grüße an alle Berliner Sicherheitsnadeln.
    Schreibt mal wieder was !!!!!??

  3. Ja da freuen wir uns für euch Berliner.
    Bin mal gespannt wann es auch in Thüringen so weit ist denn wir arbeiten immer noch für 4,76€ und einige Kollegen für noch weniger.
    Huraaaaa

  4. Hallo Ihr alten Sicherheitsnadeln in allen Bundesländern !!!!!!!!

    Info an Streifenhörnchen = Habe den Tarifvertrag vor mir zu liegen. 4,76 euro mit der GÖD
    ausgehandelt. Es gibt mehre grundsatzurteile,das die Göd nicht berechtigt ist Tarifverträge
    abzuschließen.Eine Pseude Gewerkschaft !!!!!!!! Holt euch Infos bei Verdi Thüringen.

    Bei pippe werden mal wieder die Geschäftsführer Herr Manicke und Herr Ringeleisen
    ausgetauscht. Haben sich wohl mit Ihren flughäfen übernommen.Herr Ringeleisen hat so wieso
    blos eine Gast Rolle gegeben.Der Bundestag hat eine neue Ausschreibung am laufen.
    Sucht wahrscheinlich eine Bude die es noch billiger macht

    Viele Grüße an alle Sicherheitsnadeln !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

  5. Endlich ein neuer Tarifvertrag für Berlin und Brandenburg.Die Halbierung der Sonn- und Feiertagszuschläge sowie die Kürzung der Nachtzuschläge auf 5 Prozent erwähnt natürlich keiner.Habe grade meine Januarabrechnung erhalten,- sind etwas mehr wie 86 Euro minus gegenüber dem alten Tarifvertrag.Das sind Erfolge !!!!!!!!!!,- die steigende Anzahl der Hartz 4-Aufstocker lässt grüssen.

  6. Mensch Matze, da bleibst Du bzw. die (regionale) Branche noch so ruhig?

  7. Guten Abend allerseits!

    Hab heute auf der meiner Lohnabrechnung vom Januar entdeckt, das meine Firma sich den gestiegenen Grundlohn, über die Objektzulage wieder zurück holt!!!
    Dies hilft mir besonders weiter, also im Endeffekt kommt „noch“ das Gleiche raus!

  8. Der Tarifvertrag in Berlin ist „Spitze“. Ab dem 01.01.2011 werden viele Mitarbeiter zu gewerblichen Mitarbeitern mit Festlohn gemacht. Das heißt es gibt überhaupt keine Zuschläge( Nacht.- Sonn.- und Feiertags) mehr. Und da sprechen die sogenannten Arbeitnehmervertreter( Verdi) von einem Durchbruch. Ich weiß bloß nicht für wen.

  9. Der neue Tarifvertrag ist schlichtweg ein Hohn! Ich arbeite seit Mai 99 immer in der gleichen Position am gleichen Arbeitsplatz und war bis jetzt immer noch durch den Bestandschutz vor Kürzungen ,die ja alle nach 2003 geltenden Tarifverträge real bedeuteten geschützt! Das war auch bis jetzt so Nun hat man den Bestandschutz einfach aus dem jetzigem TV gestrichen und nun bedeutet dass konkret für mich und andere schon länger beschäftigte Kollegen ! eine Lohneinbuße von ca 150€!

  10. Mahlzeit Ihr Sicherheitsnadeln im Bundesgebeit !!!!!!!!

    Bei Pippe haben wir das selbe Problem mit dem Bestandschutz für die Koll.die schon länger
    dort tätig sind.Diese Sachen müssen ja mit den jeweiliegen Betriebsräten abgestimmt sein???

    Es ist traurig das diesem im einzelfall zugestimmt wird.Wir sind alle gespannt wie es bei
    Pippe weiter geht.Die Herren in Osnabrück werden sich schon was einfallen lassen um die
    Prozente noch mehr zu drücken.Nun steht ja bei uns eine neue Ausschreibung beim
    Bundestag an.Vieleicht kommt eine neue Bude aus Krakau und macht es noch billiger.

    Herrn Thierse wird es freuen.Nun viele Grüße aus Berlin,wir bringen Geld von zu Hause mit.
    Um die armen Unternehmen aus der Sicherheitsbranche zu ünterstüzen !!!!!!!??????????

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