Suiziden in Vollzugsanstalten besser vorbeugen

27. Januar 2011 | Themenbereich: Strafvollzug, Thüringen | Drucken

„Suiziden in Justizvollzugsanstalten soll künftig besser vorgebeugt werden“, sagte Prof. Dr. Dietmar Herz in der Regierungsmedienkonferenz am 18. Januar. Thüringens Justizstaatssekretär stellte nach der Beratung im Regierungskabinett das landesweite Gesamtkonzept zur Suizidprophylaxe vor. Schließlich waren im Zeitraum von 1994 bis 2010 im Thüringer Justizvollzug insgesamt 26 Suizide von Gefangenen zu beklagen, davon allein im Jahr 2009 fünf Todesfälle. „Verhindern lassen sich diese Fälle nicht gänzlich, aber man kann viel tun um vorzubeugen. Jeder Tote ist einer zu viel“, sagte Herz.

Die Arbeitsgruppe Suizidprävention mit Vertretern der Kirchen, mit Vollzugspraktikern und Vertretern des Justizministeriums unter Vorsitz von Staatssekretär Herz hatte Anfang 2010 ihre Beratungen aufgenommen, um sämtliche Aspekte und Maßnahmen der Suizidprävention zu einem Gesamtkonzept zur Suizidprophylaxe im Justizvollzug zusammenzustellen. Ein erstes positives Echo auf die Arbeit gab es bereits im Oktober 2010 im Justizausschuss in der Anhörung von externen Sachverständigen, die das Konzept als äußerst sinnvoll begrüßten.

„Kern unseres Gesamtkonzepts ist die zentrale Einweisungs- und Aufnahmeabteilung. Dazu kommt die Einrichtung eines Kriminologischen Dienstes“, erklärte Prof. Dr. Herz. Die zentrale Einweisungs- und Aufnahmeabteilung soll in der JVA Tonna errichtet werden. Alle männlichen Inhaftierten mit voraussichtlich mehr als einem Jahr Freiheitsstrafe würden hier bei Haftantritt aufgenommen und einem umfassenden Diagnoseverfahren unterzogen werden. Die Bediensteten für die Aufnahme- und Einweisungsabteilung würden weitgehend aus dem vorhandenen Bestand der Justizvollzugsanstalten rekrutiert.

Maßnahmen bündeln und fortentwickeln

„Die Einrichtung eines Kriminologischen Dienstes ist längst überfällig. Mit ihm werden wissenschaftlich fundierte, standardisierte und überprüfbare Diagnose- und Therapieinstrumente eingeführt und weiterentwickelt“, betont Herz.

Die zentrale Einweisungs- und Aufnahmeabteilung sowie der Kriminologische Dienst sollen die bisherigen Bemühungen zur Suizidprävention ergänzen und die bereits vorhandenen Instrumentarien zur Suizidprophylaxe im Sinne eines kohärenten Gesamtkonzepts fortentwickeln. Sämtliche psychologische, medizinische, soziale und vollzugsorganisatorische Suizidprophylaxemaßnahmen werden nicht nur in der neuen Aufnahmeabteilung angewandt, sondern für Untersuchungshaftgefangene und Jugendstrafgefangene auch dezentral in den jeweiligen Justizvollzugs- und Strafanstalten.

Justizpersonal ist Dreh- und Angelpunkt

Von besonderer Bedeutung ist für Justizstaatssekretär Herz das Personal der Justizvollzugsanstalten: „Schließlich sind sämtliche Maßnahmen zur Suizidprophylaxe ineffektiv, wenn die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht von ihnen überzeugt, wenn sie nicht ausreichend motiviert und nicht genügend geschult sind. Daher wird auch in Zukunft ein Schwerpunkt bei der Aus- und Fortbildung liegen, damit die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Suizidgefahren erkennen, Suizide verhindern und ihre Erfahrungen in die Weiterentwicklung des Gesamtkonzepts zur Suizidprophylaxe einbringen können.“

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