Jubiläumsjahr der Stiftung Opferhilfe

27. Januar 2011 | Themenbereich: Justiz, Niedersachsen | Drucken

„Opferschutz ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Deshalb halte ich es für wichtig, dass Opferschutz und Opferhilfe ihren Platz im gesellschaftlichen Diskurs haben und sich im öffentlichen Bewusstsein stärker verankern“, sagte Dunja McAllister in ihrem Grußwort zur ersten Veranstaltung der Stiftung in deren Jubiläumsjahr 2011 gestern in Hannover.

Dem Opfer einer Straftat müsse im konkreten Fall eine tatsächliche Unterstützung zur Seite gestellt werden. „Das Opfer braucht handfeste und praktische Hilfe. Die bietet ein Gerüst von Rechten und Ansprüchen alleine nicht“, betonte die Ehefrau des Niedersächsischen Ministerpräsidenten. Die Arbeit der Opferhelfer sei so vielfältig, wie die Problemstellungen, mit denen sie täglich konfrontiert würden. Neben menschlicher Hilfe, die bei der Arbeit der Stiftung im Vordergrund stehe, könne die Stiftung auch finanzielle Hilfe über rechtliche Ansprüche hinaus gewähren. So sei beispielsweise für ein traumatisiertes Kind nach Abschluss der Hauptverhandlung ein kleiner Wochenendurlaub finanziell unterstützt worden, um Abstand zu gewinnen. In einem anderen Fall sei ein Zuschuss zum Musikunterricht gewährt worden, damit ein Kind eine schlimme Straftat besser verarbeiten konnte. „Das ist konkrete und praktische Hilfe beim Menschen“, erläuterte Dunja McAllister die Ziele der Stiftung Opferhilfe Niedersachsen. „Opferhilfe erschöpft sich nicht in der Zahlung von Geld, sondern im Vordergrund steht immer die menschliche Zuwendung“, so die Schirmherrin.

Der Niedersächsische Justizminister Bernd Busemann nannte die Stiftung Opferhilfe eine „bundesweit einmalige Einrichtung, die im Laufe ihres zehnjährigen Bestehens Hervorragendes geleistet hat.“ Dieser Erfolg sei nur möglich, weil alle Beteiligten an einem Strang zögen: hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Ehrenamtliche in den Regionalvorständen, kommunale Institutionen, Landespolitiker und Kuratoriumsmitglieder. Das Land Niedersachsen habe vor zehn Jahren die erste Finanzierung zur Verfügung gestellt und landesweit 11 Opferhilfebüros eingerichtet. „Sie alle haben mit Ihrem Engagement dafür gesorgt, dass die Stiftung Opferhilfe in Niedersachsen und in ganz Deutschland das hohe Ansehen erwerben konnte, das sie heute genießt“, hob Busemann hervor.

Es sei die Aufgabe der Opferhelferinnen und Opferhelfer, im Gespräch mit den Hilfesuchenden herauszufinden, wo deren Bedarf an Unterstützung liege. Dann reagierten sie darauf schnell und unbürokratisch. Die Arbeit der Opferhelferinnen und Opferhelfer in Hannover sei in den letzten Jahren deutlich mehr geworden: „Insgesamt kamen von 2002 bis Ende des letzten Jahres 1.537 Hilfesuchende in das Büro. Seit 2009 waren es jährlich fast 250. Die meisten von ihnen suchten vor allem Rat und menschliche Unterstützung“, berichtete Busemann. Aber auch finanzielle Opferhilfen seien in beträchtlichem Umfang geleistet worden: Insgesamt wurden bis Ende 2010 über 310.000 € an Opferhilfen ausgegeben. „Die meisten finanziellen Opferhilfen werden für Therapien aufgewendet. Solche Therapien sollen helfen, dem Opfer den Umgang mit dem Erlebten zu erleichtern, das Opfer von seiner Last ein wenig zu befreien“, sagte der Justizminister.

„Hilfe schenkt Freiheit“, laute das Motto der Stiftung in ihrem Jubiläumsjahr. Sie wolle sich aber nicht mit dem bisher Erreichten zufrieden geben. Opfer schwerer Straftaten in ganz Niedersachsen sollten künftig Zugang zu psychosozialer Prozessbegleitung bekommen können. Dafür würden drei neue Stellen geschaffen. „Es geht um eine umfassende Betreuung für Opfer schwerer Straftaten, die möglichst schnell nach Bekanntwerden der Tat beginnt und bis nach der Gerichtsverhandlung andauert“, so Busemann abschließend.

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