Empfehlungen zur Sicherheit im Weserstadion

21. Januar 2011 | Themenbereich: Bremen | Drucken

Der Panikforscher Prof. Dr. Michael Schreckenberg von der Universität Duisburg-Essen hat seine Handlungsempfehlungen für die Verbesserung der Sicherheit im Weserstadion vorgestellt. Prof. Schreckenberg wurde unmittelbar nach dem tragischen Unglücksfall am 25. September 2010 gemeinsam von Bremens Innen- und Sportsenator Ulrich Mäurer und der Geschäftsführung von Werder Bremen gebeten, ein entsprechendes Gutachten zu erstellen. Nach dem Spiel Werder Bremen gegen den HSV waren zahlreiche Fans und Polizeibeamte verletzt worden, als im Stadion eine Blocksperre von der Polizei nicht gehalten werden konnte.

In seinen Handlungsempfehlungen rät Prof. Schreckenberg zu deutlichen Verbesserungen der derzeitigen Situation im Bereich der Trennung zwischen Heim- und Gästefans. So wäre es optimal, wenn die Gästefans mit Bussen in eine gesicherte Zone direkt zu ihrem Sektor in der Westtribüne gebracht und dort auch abgeholt werden könnten. Als für diese Lösung notwendige, zusätzliche Fläche wird von Prof. Dr. Schreckenberg das Gelände des Tennisclubs Rot-Gelb vorgeschlagen, das sich direkt neben der Westkurve befindet. Da eine solche Lösung nicht sofort zu realisieren ist, befasst sich das Gutachten ferner auch mit den kurzfristig umzusetzenden Maßnahmen.

Wichtig sind laut Prof. Dr. Schreckenberg ausreichende Auslaufmöglichkeiten, so dass ein Gedränge, wie im September, erst gar nicht entstehen kann. Bei einem voll ausgelasteten Gästebereich sollten die Gästefans im Falle einer Sperre die Möglichkeit haben sich vom Oberrang bis hinunter zu den verschlossenen Stadionausgangstoren zu bewegen. Beim Vorfall im September vergangenen Jahres wurden die Gästefans im Oberrang festgehalten. Der Gutachter weist darauf hin, dass auch bei einer solchen Lösung sogenannte Rückfallpositionen einzurichten sind, um auf negative Entwicklungen während der Sperrzeit reagieren zu können. An oberster Stelle weiterer Maßnahmen steht für Prof. Dr. Schreckenberg ein reibungsloser Informationsfluss, der alle Beteiligten (Polizei und Sicherheitskräfte untereinander und zu den Fans) einschließt.

Die Untersuchung umfasste auch die baulichen Gegebenheiten im Weserstadion. Von Prof. Dr. Schreckenberg wird dabei festgestellt, dass die Verlagerung des Gästeblocks in den Oberrang und auch die baulichen Voraussetzungen im Stadion keine Rolle bei der Entstehung des tragischen Unglücksfalls gespielt haben. Dennoch hat er auch hier Empfehlungen in Bezug auf bauliche Veränderungen gegeben. Dazu gehört die Schaffung eines „weicheren“ Treppeneingangs, der bislang den Vorschriften entsprechend, rechtwinklig anstatt trichterförmig erfolgt.

Senator Ulrich Mäurer dankte Herrn Prof. Dr. Schreckenberg für seine Arbeit und wies darauf hin, dass bereits beim Vorliegen der ersten Zwischenergebnisse im Oktober / November des vergangenen Jahres erste Konsequenzen gezogen wurden. Dies betraf in erster Linie die Optimierung der Kommunikationswege und der angewendeten Maßnahmen im Bereich der sogenannten Blocksperren. „Die im September nach besten Wissen und Gewissen durchgeführten Maßnahmen wird es so nicht mehr geben“, so Ulrich Mäurer.

Solange aufgrund der vorhandenen Gegebenheiten weitere Aufenthaltsflächen nicht vorhanden sind, kann auf eine Blocksperre nicht völlig verzichtet werden, vorrangig soll jedoch eine Kombination aus Block- und Bereichssperre bei Risikospielen angewendet werden. Senator Mäurer betonte dabei, dass auch diese Variante aufgrund der Enge vor dem Stadion nur eingeschränkt und übergangsweise Anwendung finden kann. „Ziel ist und bleibt es die Aufenthaltsflächen für gegnerische Fans so zu gestalten, dass solche Drucksituationen nicht mehr auftreten und gleichzeitig die Fangruppen sicher voneinander getrennt werden können“, so Mäurer.

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