Tödliche Gefahr durch Raserei im Straßenverkehr

19. Januar 2011 | Themenbereich: Baden-Württemberg, Verkehr | Drucken

„Wenn die Vernunft beim Autofahrer nicht siegt, helfen gegen zu schnelles Fahren eben nur Bußgelder, Punkte in Flensburg und Führerscheinentzug.“ Das sagte Innenminister Heribert Rech am Mittwoch, 19. Januar 2011, in Stuttgart zur Bilanz der Geschwindigkeitsüberwachung im vergangenen Jahr. Zu schnelles Fahren sei die Ursache für fast jeden zweiten tödlichen Verkehrsunfall. Dies sei einfach nicht hinnehmbar und deshalb habe die Polizei in den vergangenen Jahren verstärkt kontrolliert. Rech: „Die Geschwindigkeitsüberwachung der Polizei dient der Verkehrssicherheit auf den Straßen und hat deshalb nichts mit Abzocke zu tun.“

Bei Geschwindigkeitsüberwachungen durch die Polizei seien im vergangenen Jahr 840.499 Verstöße festgestellt worden (2009: 902.097). 171.018 der Temposünder seien zwischen 20 und 40 Kilometer pro Stunde zu schnell gewesen, 16.732 sogar über 40 Kilometer pro Stunde, in 17.588 Fällen sei ein Fahrverbot zwischen einem und drei Monaten verhängt worden.

Für die Ahndung der durch die Polizei festgestellten Ordnungswidrigkeiten auf den Autobahnen sei in Baden-Württemberg die Zentrale Bußgeldstelle des Regierungspräsidiums Karlsruhe zuständig. Dort seien 2010 rund 545.000 Bußgeldbescheide bearbeitet worden (2009: 517.000). Diese hätten zu 125.000 Bußgeldbescheiden und 410.000 Verwarnungen mit maximal 35 Euro geführt. Bei 90 Prozent der Anzeigen habe es sich um Geschwindigkeitsverstöße gehandelt. Bei jedem zehnten Bußgeldbescheid (13.389) sei auch ein Fahrverbot zwischen einem Monat und drei Monaten verhängt worden.

2007 seien noch 347.284 Geschwindigkeitsverstöße von der Polizei festgestellt worden. Die starke Zunahme auf 840.499 im Jahr 2010 sei auf die neuen Geschwindigkeitsmessanlagen zurückzuführen, die hauptsächlich auf den Autobahnen im Land eingesetzt würden. Mit Lasergeräten könne die Überwachung noch effizienter durchgeführt werden, denn die Polizei sei jetzt in der Lage, mehrere Fahrstreifen gleichzeitig zu messen. Aber auch der ländliche Bereich werde nicht vernachlässigt. Neben 42 Großmessgeräten verfüge sie landesweit über 160 Handlasermessgeräte. „Jedes Polizeirevier im Land kann mit den Handgeräten schnell und flexibel gerade an Unfallbrennpunkten die Geschwindigkeit messen“, sagte Innenminister Rech. Allerdings zeige der Rückgang der Anzeigen im Vergleich zum Vorjahr um 61.598, dass die hohe Einsatzbelastung der Polizei, beispielsweise wegen der vielen Demonstrationen gegen Stuttgart 21 und der Bewachung freigelassener Sicherheitsverwahrter, zu weniger Kontrollen führten. Der Einsatz der Großmessgeräte auf mehrspurigen Straßen sei weniger personalintensiv, dies mache sich mit einer Steigerung bei den Anzeigen um fünf Prozent (28.000) zum Vorjahr bemerkbar.

„Wir werden bei der Geschwindigkeitsüberwachung nicht nachlassen. Es darf nicht sein, dass manche Autofahrer grundsätzlich 20 Kilometer pro Stunde schneller als erlaubt fahren und meinen, sie können sich das Bußgeld gerade noch leisten. Wer zu schnell fährt, hat längere Reaktionszeiten und Bremswege“, sagte der Innenminister. Dies könne bei Unfällen und Gefahrensituationen schwerwiegende Nachteile für andere Verkehrsteilnehmer haben. Rech appellierte an die Verkehrsteilnehmer, sich unbedingt an die Geschwindigkeitsbegrenzungen zu halten. Damit könne jeder einen Beitrag für mehr Verkehrssicherheit im Land leisten. Die Polizei würde aber nicht nur Geschwindigkeitsüberschreitungen konsequent verfolgen, sondern auch über die Gefahren im Straßenverkehr aufklären. Deshalb habe sich Baden-Württemberg selbstverständlich an der bundesweiten und sehr erfolgreichen Medienkampagne „Runter vom Gas“ beteiligt. „Nur mit konsequenter Verkehrsüberwachung, gezielten Medienkampagnen und vernünftigen Autofahrern können wir jährlich weniger Verkehrstote und weniger schwere Verkehrsunfälle im Land erreichen“, sagte Innenminister Rech.

Ihre Meinung ist uns wichtig,
kommentieren Sie diesen Artikel!

Jedoch, auf Cop2Cop gilt die Netiquette als Leitfaden für die Kommunikation. Alle Beiträge werden von Administratoren geprüft und freigeschaltet. Beiträge, die persönliche Beleidigungen, Diffamierungen, rechtswidrige Texte oder Werbung beinhalten, werden ebenso unkommentiert entfernt, wie Off-Topic-Beiträge und SPAM. Zeilen und Absätze brechen automatisch um. Die E-Mail Adresse dient internen Zwecken und wird nie angezeigt.