LKA mit Qualitätssiegel

13. Januar 2011 | Themenbereich: Nordrhein Westfalen, Polizei | Drucken

Das Landeskriminalamt NRW hat jetzt ein Qualitätssiegel für seine kompetente kriminaltechnische Arbeit erhalten. In modernsten und leistungsfähigen Laboren und Untersuchungseinrichtungen werden erfolgreich Spuren gesichert und mit wissenschaftlichen Gutachten Beweisketten schlüssig untermauert. Die Deutsche Akkreditierungsstelle (DAkkS) in Berlin hat das Kriminalwissenschaftliche und -technische Institut (KTI) nach der entsprechenden DIN-Norm DIN EN ISO/IEC 17025:2005 für sein Qualitätsmanagement und die Zuverlässigkeit von wesentlichen Untersuchungsverfahren in acht Prüfbereichen zertifiziert. „Dies unterstreicht die hohe Qualität, mit der die Wissenschaftler und Mitarbeiter des LKA ihre Untersuchungen durchführen. Sie sorgen dafür, dass Täter ermittelt und anschließend verurteilt werden können“, sagte Innenminister Ralf Jäger heute (13. Januar) in Düsseldorf.

Die Leistungsbilanz des KTI kann sich sehen lassen: 200 Beschäftigte, davon mehr als 140 hoch qualifizierte Wissenschaftler, Sachverständige und Assistenten bearbeiteten im vergangenen Jahr mehr als 35.000 Anträge. Dabei wurden fast 90.000 Spurenträger untersucht und 34.148 Gutachten erstellt. Dafür werden rund 100 Labore mit modernster Technik genutzt. „Das LKA ist eine unverzichtbare Säule bei der Verbrechensbekämpfung in NRW“, betonte Jäger.

Die Bandbreite der möglichen Untersuchungsverfahren ist groß. Sie reicht von der Sicherung von Fingerabdrücken mit physikalischen und chemischen Mitteln bis hin zu DNA-Analysen oder der Untersuchung von Schmauchspuren am Rasterelektronenmikroskop. Bei Beweismitteln mit mehreren Spuren führen die Wissenschaftler in einem abgestimmten Prozess unterschiedliche Prüfungen hintereinander durch.

„Die hoch spezialisierten technischen Verfahren in der Kriminaltechnik helfen, selbst komplizierte Zusammenhänge zu durchleuchten. Sie kommen vor allem dort zum Einsatz, wo nur mit hochempfindlichen Geräten und sensiblen Instrumenten beweisdienliche Partikel aufgefunden und Indizien bewertet werden können“, sagte der Innenminister. So werden im Prüfbereich Daktyloskopie mit physikalischen und chemischen Mitteln auch Fingerabdrücke auf saugfähigen Untergründen wie zum Beispiel Holz sichtbar gemacht und ausgewertet, um sie anschließend mit der Fingerabdruckdatei abzugleichen.

Im vergangenen Jahr wurden 700 differenzierte Untersuchungen durchgeführt und erfolgreich Fingerabdrücke gesichert. Von den rund 10.000 Abgleichen von Fingerabdrücken mit der Datei des BKA konnten 23 Prozent, sprich: rund 2.300 Personen, ermittelt werden, die bereits mindestens einmal erkennungsdienstlich erfasst worden sind.

Ein Fingerabdruck führte beispielsweise bei dem Doppelmord an einem Geschwisterpaar zu den Tätern. Der Junge wurde bereits nach wenigen Tagen tot aufgefunden, das Mädchen eine Woche später. Fingerspuren auf dem Klebeband, mit dem das Mädchen gefesselt worden war, führten zu einem Tatverdächtigen. Auf Grund einer weiteren Fingerspur konnte ein Mittäter überführt werden. Beide wurden zu lebenslanger Haft und anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt.

Im Prüfbereich Bodenkunde werden anhand winzigster Partikel, die beispielsweise an Schuhen oder der Kleidung gefunden wurden, nachgewiesen, ob sich ein Verdächtiger überhaupt am Tatort aufgehalten hat. Vergleichende Bodenproben geben mitunter den ausschlaggebenden Hinweis in einem Ermittlungsverfahren. So auch bei einem 50-jährigen Einbrecher aus dem Rheinland. Er war nach einem Einbruch in ein Krankenhaus festgenommen worden und behauptete aber steif und fest, niemals am Tatort gewesen zu sein. Da weder Fingerabdrücke noch DNA-Spuren sichergestellt werden konnten, wurde bei dem KTI eine vergleichende Untersuchung von Bodenproben in Auftrag gegeben.

Die LKA-Spezialisten wiesen innerhalb einer Woche nach, dass der Verdächtige tatsächlich am Einbruchsort gewesen war. Die Bodenproben an der Kleidung und die Anhaftungen an den Schuhen stimmten zu 100 Prozent mit den Vergleichsproben überein, die die Polizei unterhalb des Einstiegfensters genommen hatte. Im Jahr 2010 wurden 37 Untersuchungen an Erdspuren vorgenommen und zeitintensive Gutachten erstellt.

Im Prüfbereich für Schussspuren kommen regelmäßig die drei Rasterelektronenmikroskope des KTI zum Einsatz. Bei Kapitalverbrechen mit einem Schusswechsel aus mehreren Schusswaffen, wie bei dem Sechsfach-Mord in Duisburg, laufen die Analysegeräte mitunter Tag und Nacht, um durch die chemische Zusammensetzung des Schmauchs die spezielle Munitionsserie zu ermitteln und bestimmten Tätern zuzuordnen.

Ein anderer Fall ist ein spektakulärer Dreifach-Mord in einer Anwaltskanzlei im Kölner Raum. Ein damals 45-jährigen Mann hatte sich Zugang zu einer Rechtsanwaltskanzlei verschafft, wo er den 61-jährigen Anwalt, dessen 53-jährige Frau und die 26-jährige Tochter zuerst in das Wartezimmer dirigiert hatte, um sie dort zu fesseln und anschließend mit einer Schrottflinte regelrecht hinzurichten. Mittels der Untersuchung der Schmauchspuren konnte der Mann eindeutig als Schütze identifiziert werden, während eine jüngere Mittäterin selber nicht geschossen hat. Durch die Untersuchung der Schmauchspuren konnte außerdem die Entfernung des Schützen von seinen Opfern festgestellt werden. Im vergangenen Jahr wurden von den zuständigen Sachverständigen 154 Gutachten in diesem Bereich erfolgreich abgeschlossen.

Die aktuelle Akkreditierung bezieht sich auf folgende Untersuchungsbereiche:

  • Die Untersuchung von Schmauchspuren
  • Die qualitative Dampfraumanalyse im Prüfbereich Brand
  • Die teilautomatisierte Typisierung von Speichelproben im Prüfbereich DNA-Analytik
  • Die vergleichende Untersuchung von Bodenproben
  • Die Echtheitsuntersuchung von Urkunden
  • Die Feststellung von Bewegungsenergien von Geschossen
  • Die Sichtbarmachung und Sicherung von daktyloskopischen Spuren (Fingerabdrücken) auf unterschiedlichen Oberflächen.
  • Vergleichende Untersuchung textiler Mikrospuren

„Durch die jetzt vorliegende Urkunde über die erfolgreiche Akkreditierung sind solche Ergebnisse und Gutachten des KTI auch international als gerichtsverwertbar anerkannt“, erklärte der Innenminister.

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