Prekäre Personalsituation im öffentlichen Dienst

8. Januar 2011 | Themenbereich: dbb Beamtenbund, Interessenvertretungen | Drucken

Die Zahlen sind alarmierend. Noch im Jahr 1993 hätten 5,3 Millionen Menschen im öffentlichen Dienst gearbeitet – heute seien es nur noch 3,6 Millionen. Doch damit nicht genug: Durch den demografischen Wandel wären die verbliebenen Beschäftigten im Vergleich zur Privatwirtschaft auch völlig überaltert.

Die Folge: „In den kommenden zehn Jahren werden wir fast 20 Prozent der Beschäftigten verlieren. Das sind rund 700 000 Menschen“.

Und beim Wettbewerb um gute Leute konkurriere man künftig noch stärker mit der Wirtschaft. Mit diesen deutlichen Worten beschrieb der dbb-Bundesvorsitzende Peter Heesen die Situation im öffentlichen Dienst dem Magazin Wirtschaftswoche (Ausgabe vom 10.1.2011).

Das Problem sei allerdings nicht das Image des öffentlichen Dienstes. Zwar gäbe es noch immer gewisse Vorurteile, etwa gegenüber dem Beamtenstatus im Allgemeinen. Umfragen des dbb zeigten aber, dass konkrete Berufsgruppen wie Polizisten, Feuerwehrleute und Lehrer in der Beliebtheitsskala weit oben stünden. Trotzdem müsse man die Einkommen erhöhen, um ausreichend Nachwuchs zu bekommen. Insbesondere im IT-Bereich und bei Ingenieuren und Technikern sei die Personalsituation prekär. Ebenso im Umweltbereich und an den Berufsschulen. „Allein im Bundesverteidigungsministerium gibt es derzeit 750 unbesetzte Techniker-Stellen“, so Heesen. Die Forderung der Gewerkschaften für die im Februar startende Tarifrunde der Länder sei dennoch maßvoll ausgefallen. „Wir wollen drei Prozent mehr Lohn und einen Sockelbetrag von 50 Euro, was insgesamt rund fünf Prozent ausmacht. Das ist nun wirklich keine ökonomische Horrorzahl.“

Besonders, wenn man den Vergleich zu den deutlich höheren Forderungen mancher Industriegewerkschaften ziehe. Daher gab sich der dbb-Chef zuversichtlich: „Wie man hört, hat der Verhandlungsführer der Länder und niedersächsische Finanzminister in seinem Landeshaushalt bereits eine Lohnerhöhung von zwei Prozent eingeplant. Wir werden uns dann irgendwo dazwischen treffen.“ Ein weiteres Verhandlungsziel sei ein Abschluss mit einer Laufzeit von 14 Monaten. Dadurch sollen die Tarifverträge, von Bund und Kommunen auf der einen und Ländern auf der anderen Seite, wieder zeitlich synchron laufen.

Die derzeitige Fragmentierung bringe eine enorme Bürokratie mit sich, so Heesen. „Wir brauchen wieder einen tarifpolitischen Gleichklang bei Bund, Ländern und Gemeinden. Das wäre auch im Interesse der Beschäftigten.“

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