Integrationsbericht vorgestellt

30. Dezember 2010 | Themenbereich: Innere Sicherheit, Sachsen-Anhalt | Drucken

„In Sachsen-Anhalt leben – wie in Ostdeutschland insgesamt – nur wenige Ausländerinnen und Ausländer. Und dennoch ist Integration an vielen Stellen unserer Gesellschaft gelebte Wirklichkeit.“ Mit diesen Worten stellte Innenminister Holger Hövelmann (SPD) heute in Magdeburg den ersten Integrationsbericht des Landes Sachsen-Anhalt vor, der in der vergangenen Woche im Kabinett beraten worden war. Die Berichterstattung ist eine Maßnahme des im Juni 2009 von der Landesregierung beschlossenen Aktionsprogramms Integration.

44.393 ausländische Bürgerinnen und Bürger (Stichtag: 31.12.2009) machen einen Bevölkerungsanteil von 1,9 Prozent aus. Den größten Anteil davon stellen vietnamesische Zuwanderer mit 10,1 Prozent. 22.896 Spätaussiedlerinnen und -aussiedler entsprechen einem Bevölkerungsanteil von einem Prozent. Insgesamt haben mehr als vier Prozent der Sachsen-Anhalterinnen und Sachsen-Anhalter einen Migrationshintergrund.

Der Innenminister nannte zwei positive Beispiele für die Umsetzung des Aktionsprogramms Integration:

  • „Erstes Beispiel: Bei der frühkindlichen Förderung sind wir mit der Einführung einer verbindlichen Sprachstandsfeststellung im vorletzten Jahr vor der Einschulung mit eventuell anschließender Sprachförderung einen wichtigen Schritt vorangekommen. Da Sprache der Schlüssel für Integration ist, werden gerade Kinder von Zugewanderten von dieser Maßnahme besonders profitieren.“
  • „Zweites Beispiel: In allen Landkreisen und kreisfreien Städten sind – gefördert durch das Innenministerium – Koordinierungsstellen für Integration eingerichtet worden. Es ist wichtig, dass die zahlreichen Akteure der Integrationsarbeit vor Ort effizient zusammenarbeiten und dass die Kommunen selbst sich auf diesem Gebiet verstärkt engagieren.“

Der Bericht zeige, so Hövelmann weiter, „dass wir zwar bereits viel geschafft haben, in den kommenden Jahren aber noch einiges zu tun ist.“ Dringenden Handlungsbedarf sieht der Innenminister insbesondere bei der Anerkennung ausländischer Qualifikationen: „Es ist nicht akzeptabel, wenn wir einerseits gerade in ländlichen Gebieten Ärztemangel haben und es andererseits gut ausgebildete Ärztinnen und Ärzte in Sachsen-Anhalt gibt, die ihren Abschluss im Ausland erworben haben und deshalb hier ihren Beruf nicht ausüben dürfen.“

Menschen mit ausländischen Wurzeln verfügten in Sachsen-Anhalt im Durchschnitt über höhere Qualifikationen als in den westdeutschen Ländern, unterstrich Hövelmann: „Weil sich auch in anderen Berufen längst ein Fachkräftemangel andeutet, müssen wir die bei den Zugewanderten vorhandenen Ressourcen besser nutzen. Das vom Bund angekündigte so genannte Anerkennungsgesetz bringt uns hoffentlich einen Schritt weiter. Aber auch wir Länder sind gefordert, da wir für viele Berufe zuständig sind.“ Gemeinsames Ziel von Bund und Ländern müsse es sein, für alle Antragsteller unabhängig von Nationalität und Herkunft ein einfaches, transparentes und kurzes Anerkennungsverfahren zu schaffen. Die Wahrung der Qualitätsstandards des inländischen Bildungssystems und des Verbraucher- und Patientenschutzes sei dabei selbstverständlich, so der Minister.

„Zuwanderer engagieren sich ebenso stark und übernehmen genauso Verantwortung wie Menschen ohne Migrationshintergrund“, sagte die Integrationsbeauftragte der Landesregierung, Susi Möbbeck. „Doch wer sich ausgegrenzt fühlt, wer den Eindruck gewinnt, dass seine beruflichen Fähigkeiten nicht gewürdigt werden, der zieht sich zurück. Wo Zugewanderte willkommen sind, wo ihre Kompetenzen gefragt sind und ihre Mitwirkung gewünscht wird, da werden sie sich noch stärker gesellschaftlich engagieren.“

„Wir wollen die Potentiale der Zuwanderung für unser Land nutzen. Das gilt nicht nur für die, die schon hier sind. Deutschland und Sachsen-Anhalt brauchen Menschen, die als Existenzgründer, als qualifizierte Fachkräfte, als Wissenschaftler und Künstler zur wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung beitragen. Sie sind uns herzlich willkommen“, sagte Hövelmann. „Wer Fremdenfeindlichkeit schürt, steht dieser Entwicklung entgegen und schadet unserem Land.“

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