Verdienstunterschiede auch im öffentlichen Dienst gezielt angehen

17. Dezember 2010 | Themenbereich: Beamten-Tarifrecht | Drucken

Frauen verdienen fast 30 Prozent weniger. Das hat eine Untersuchung des arbeitgebernahen Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) Köln ergeben. Dieser Wert liegt damit noch über dem vom Statistischen Bundesamt (Destatis) kürzlich ermittelten Gender Pay Gap von 23 Prozent. Die unterschiedlichen Werte ergäben sich nach Angaben des IW vor allem dadurch, dass die amtlichen Statistiker keine Unternehmen mit weniger als zehn Mitarbeitern erfassten. Gerade in kleinen Betrieben seien die Lohnunterschiede im Schnitt größer.

Bei der Ursachenforschung sind sich beide Institute einig: Hauptursache für schlechtere Einkünfte von Frauen sind in den Arbeitsmarktstrukturen zu suchen. Vor allem Unterbrechungen in den Arbeitsbiographien wirken sich negativ auf die Einkommensentwicklung aus. Egal ob es um die Pflege von Angehörigen oder die Betreuung von Kindern geht, je länger eine familienbedingte Auszeit dauert, desto größer wird der Verdienstabstand. Bereits nach einer Auszeit von drei Jahren beträgt der Verdienstabstand laut IW bereits rund neun Prozent. Für die Gruppe derer, die noch länger aussteigen, steige der Abstand sogar auf fast 19 Prozent. Ein Drittel der Verdienstunterschiede sei laut Destatis jedoch nicht auf strukturelle Gründe zurückzuführen. Bezogen auf die Daten von 2006, wonach Frauen 23 Prozent weniger verdienen, bedeutet dies, dass Frauen auch bei gleicher Qualifikation und Tätigkeit je Stunde durchschnittlich acht Prozent weniger als Männer verdienten.

„Dieses Ergebnis stimmt mit den Verdienstunterschieden, die für den öffentlichen Dienst im vergangenen Jahr ermittelt wurden, exakt überein. Die Studien bestätigen damit nur das, was wir bereits lange wissen: Frauen erfahren trotz Tarifsystem und Besoldungstabellen eine systematische Schlechterstellung. Sie sind seltener als Männer in Führungspositionen vertreten und bleiben in den oberen Verdienstebenen unterrepräsentiert“, betonte Helene Wildfeuer, Vorsitzende der dbb bundesfrauenvertretung am 15. November 2010. Sie wies dezidiert darauf hin, dass vorrangig Frauen, die wegen der Familie zurücksteckten, qua Amtsroutine bei Beförderungsverfahren benachteiligt würden. Wildfeuer forderte die Regierung auf, die Debatte um geschlechterbedingte Verdienstunterschiede auch im öffentlichen Dienst offen zu führen: „Die Entscheidungsträger müssen endlich ihre Macho-Attitüden ablegen und die seit langem von Gewerkschaften, Genderinitiativen und Frauenverbänden geforderten Maßnahmen zugunsten gerechterer Verdienste auch im öffentlichen Dienst in Angriff nehmen.“

Quelle: komba

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