Runder Tisch Heimerziehung zieht die richtigen Schlüsse

15. Dezember 2010 | Themenbereich: Justiz | Drucken

Zur Vorstellung des Abschlussberichts des Runden Tischs Heimerziehung erklärt Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: Der Abschlussbericht bietet Vorschläge, die dem Anliegen dieses Runden Tischs gerecht werden und die den Weg für einen angemessenen Umgang mit dem Leid der ehemaligen Heimkinder aufweisen. Zweckgebundene Zahlungen z.B. für Therapien und Unterstützung in besonderen sozialen Notlagen sind eine angemessene Reaktion auf individuelles Unrecht. Dieser Weg ist – auch und gerade mit Blick auf andere Opfergruppen – eine Form der materiellen Anerkennung, die wir auch der heutigen Generation, die naturgemäß an früherem Unrecht nicht beteiligt war, vermitteln können. Dabei verstehe und respektiere ich, dass die Erwartungen der Betroffenen hier größer waren.

Gut ist auch, dass der Runde Tisch den Blick in die Zukunft richtet und Vorschläge unterbreitet, wie wir die Kinder von heute noch zuverlässiger schützen können. Der Abschlussbericht begrüßt den Gesetzentwurf der Bundesregierung zur Änderung des Vormundschafts- und Betreuungsrechts, in dem die Bundesregierung die gesetzliche Begrenzung der Zahl der Mündel pro Amtsvormund vorschlägt. Dass der Vormund viele der anvertrauten Kinder nur aus den Akten kannte und ihnen nicht schützend zur Seite stand, war eine Erfahrung, die viele der ehemaligen Heimkinder bis heute verbittert.

Der heute vorgestellte Abschlussbericht führt die Arbeit eines bis dahin in Deutschland einmaligen Projekts erfolgreich zu Ende. Der ehemaligen stellvertretenden Bundestagspräsidentin Antje Vollmer gebührt Dank und Anerkennung für ihre kluge Moderation und ihren beharrlichen Einsatz.

3 Kommentare
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  1. Ich stimme der Bundesjustizministerin zu, wenn sie sagt, das der Abschlussbericht des Runden Tisches ein Erfolg ist. Diesem jedoch muss ich noch etwas hinzufügen, „der Abschlussbericht ist ein politisches Meisterwerk“.
    Der Auftrag ,die Kosten dieses Unrechts gering zu halten, von Frau von der Leyen ist erfüllt.
    Das es zu so einem Bericht kommen konnte bedurfte auch einige Tricksereien,wie z.B. umschreiben des Rechtsgutachten, Drohungen gegenüber einer Kammergerichtsrichterin am 13.09.2009, Beeinflussung der Medien mit polemischen Sprüchen ( der Verein VeHe.V. möchte aus dem RT ein Tribunal errichten) usw….
    Obwohl der Bericht ein politisches Meisterwerk ist, ist er aber auch gleichzeitig beschämend für die BRD.
    Auch die Medien müssen sich Kritik gefallen lassen, weil sie niemals die erhobenen Vorwürfe hinterfragt haben.
    Heinz-Jürgen Overfeld

  2. Der Abschluss ist ein Witz!

    Frau Volllmer jedoch nennt ihn erfolgreich!
    Für wen?
    Für Kirchen und Staat, für Caritas und Diakonie mit Sicherheit!
    Da heißt es jetzt:
    Prima, die blöden Heimkinder über den Tisch gezogen, den runden!
    Gesicht gewahrt!
    Geld gespart!
    Hoch die Tassen!

    Kinder prügeln bis die Knochen splittern, treten, mit Stromschlägen foltern, nachts im Schnee stehen lassen, urinnasse Laken um die Ohren hauen, in Badewannen fast ertränken, halb verhungern lassen, Erbrochenes zu essen zwingen, vergewaltigen… billig!

    ABER – man kann sie ja auch noch für sich schuften lassen! Unter Zwang und ohne Lohn versteht sich! Dann verdient man noch ein paar Milliarden an ihnen!

    Man weiß ja: Kirche will auch leben, Staat und Industrie sind immer froh über ein kleines Zubrot. Und auch des Bischofs Rente will ja schließlich bezahlt sein…

    Wofür werden die Blagen denn in die Welt gesetzt?

    Hoch die Tassen!

    Nur eines sollte bei alledem nicht vergessen werden: Noch sind wir nicht tot! Und solange wir es nicht sind, werden wir weiterkämpfen!

    JETZT ERST RECHT!!!

  3. Das vorgestellt Entschädigungsmodell kann wirklich nur als selten plumper Affront gegenüber ehemaligen Heimkindern bezeichnet werden, mit dem sich nach jahrelanger Kungelei hinter verschlossenen Türen, Kirchen und Staat darauf verständigt haben, der Öffentlichkeit ein geläutertes Gewissen von moralischen Anstand zu demonstrieren, den sie in den Anfängen der Heimkinderklagen noch unverhohlen missen ließen. Etwa indem sie die Klagen und Begehren der ehemaligen Heimkinder zunächst entrüstet abzuwimmeln versuchten, um später aufgrund des Drucks öffentlicher Medien scheibchenweise einen der beschämendsten Skandale Deutschlands einräumen zu müssen.
    Eine einzigartige Unverschämtheit von Überheblichkeit auch die Unterstellung der Habgier, mit denen unsere Kirchen die Entschädigungsbegehren der ehemaligen Heimkinder von rund 50000 Euro geißelten.
    Dabei müssten sie eigentlich wissen dass solch eine Betrag für massive Menschenrechtsverletzungen im internationalen Vergleich sogar noch richtig niedrig sind.
    Erbärmlich, wenn Kirchen und Staat damit demonstrieren wie wenig sie das Schicksal ihrer Opfer interessiert, die durch unterlassene Bildungsmöglichkeiten, zerstörtes Selbstbewusstsein und anerzogene Unselbstständigkeiten oft und dauerhaft für ihr gesamtes ganzes weitere Leben benachteiligt waren und blieben
    Für diese eminenten Benachteiligungen dürfte wohl jeder aufrichtige und moralisch integere Mensch einen Entschädigungsanspruch erkennen, schließlich verstand sich die Bundesrepublik schon damals wie heute als sozialer Rechtsstaat.
    Wenn demnach Kirche und Staat vor Jahrzehnten in einvernehmlichen Schulterschluss gegenüber besonders schutzbedürftigen Kindern und Jugendlichen massive Rechts- und Aufsichtspflichten verletzten, werden sie sich heute nicht mit rechtsstaatlichen Verjährungsfristen ihrer Verantwortung entziehen können.

    Doch genau dies wird mit dem vorgestellten Entschädigungsmodell beabsichtigt, dass sich bei näherer Betrachtung als ungeheuerliche Mogelpackung erweist und eines so reichen Landes wie unsere Republik nicht würdig ist, wenn man weiß, wie eilfertig darbende Banken, die sich selbst in Not gebracht hatten, milliardenschwere Rettungsschirme angedient wurden, während man geschädigte und geschändete Heimkinder mit leeren Händen aufs Altenteil abzuschieben versucht.

    So erhalten Heimkinder nicht etwa Entschädigungen für ihre durch Heimaufenthalte verursachten lebenslangen Benachteiligungen, sondern lediglich ihren zustehenden Lohn für einst geleistete Zwangsarbeit nachgezahlt.
    Und die belaufen sich gewiss nicht zwischen den sinnentleerten 2000-40000 Euro die öffentlich die Runde machen. Nein, weil sich diese genannten Durchschnittssummen nur aus dem Gesamttopf von 120 Millionen ergeben würden.
    Das ist aber billige Augenwischerei, da lediglich 20 Millionen für Zwangsarbeitsentgeltzahlungen vorgesehen sind, die sofern diese von den geschätzten 30000 Anspruchsberechtigten abgerufen würden, im Schnitt nur noch einmalig 666 Euro bekämen. Melden mehr Betroffene einen Bedarf an, verringert sich diese Summe abermals.

    So und von dem Rest der 100 Millionen bekommen die Geschädigten nicht mal einen müden Cent real zu Gesicht, weil dieser Topf für die Behandlung der vielfältige Folgesymptome und Altershilfen vorgesehen ist.
    Von realen Entschädigungszahlungen ist also weit und breit keine Spur zu erkennen und sollte jedem Mitlesenden vor Augen führen, welch eine abgekartetes Spiel mit ehemaligen Heimkindern betrieben wird, um Kirchen und Staat vor angemessenen Entschädigungszahlungen zu bewahren.
    Und so etwas will sich christlich, sozial und rechtsstaatlich bezeichnen?

    Angesichts dieser demonstrativen Vermeidungshaltung muss nun wohl der Europäische Menschengerichtshof die nötige Einsicht erzwingen, dass eine verkündetes Entschädigungsmodell auch realistische Entschädigungen beinhalten sollte.
    So sieht also das wahre Antlitz unseres christlichen, sozialen Rechtstaat aus.

    Ich sage nur noch armes Deutschland.

    Klaus Klüber
    http://www.ex-Heimkinder.de

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