Mindestlohn und Zertifizierung für mehr Sicherheit

2. Dezember 2010 | Themenbereich: Security | Drucken

Manfred Buhl, Vorsitzender der Geschäftsführung SECURITAS Deutschland und Vizepräsident des Bundesverbandes Deutscher Wach- und Sicherheitsunternehmen (BDWS), fordert einen Mindestlohn, höhere Zugangshürden und strengere Qualitätsvorgaben für den Sicherheitsmarkt. Seit mehreren Jahren engagiert sich Buhl für angemessene Löhne und höhere Qualität in der Branche.

„Wir wollen verbindliche Lohnuntergrenzen, um fairen Wettbewerb zu ermöglichen, und ein staatliches Verfahren zur Zertifizierung der Sicherheitsunternehmen, damit nur vertrauenswürdige und kompetente Anbieter auf dem Markt agieren. So können wir die deutschen Sicherheitsunternehmen fit machen für die uneingeschränkte Arbeitnehmerfreizügigkeit ab dem 1. Mai 2011″, sagte Buhl am Rande einer Unternehmensveranstaltung. „Und nur so kann die private Sicherheitsindustrie ihren Anspruch als Partner der Polizei und als integraler Bestandteil der Sicherheitsarchitektur erfüllen. Angesichts der angespannten Sicherheitslage sind diese Veränderungen dringender denn je.“

Buhl regt an, für die Vergabe privater und öffentlicher Aufträge verbindliche Qualitätsstandards zu definieren und zu kontrollieren: „Insbesondere für Projekte im Bereich der kritischen Infrastrukturen benötigen wir dringend eine staatliche Zertifizierung von Sicherheitsunternehmen und dazu laufende Kontrollen. In der Luftfahrtsicherheit und beim Schutz kerntechnischer Anlagen haben sich strenge Vorgaben ausgezahlt. Die Qualität der erbrachten Dienstleistungen ist höher, die Bezahlung der Mitarbeiter besser.“

Als Marktführer für Sicherheitslösungen behauptet sich SECURITAS dank hoch qualifizierter Mitarbeiter und innovativer Lösungen sehr gut auf dem deutschen Markt. Sobald der Mindestlohn gesetzlich vorgeschrieben sein wird, ist er für alle Akteure verbindlich, auch für Unternehmen aus den neuen mittel- und osteuropäischen EU-Mitgliedsstaaten, die ansonsten die Lohnuntergrenze im Sicherheitsgewerbe in Deutschland unterlaufen und Sicherheitsleistungen mit fragwürdiger Qualität erbringen könnten.

Hintergrund: Der BDWS und die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft ver.di hatten am 16. April 2010 in Hannover einen Mindestlohntarifvertrag für die 170.000 Beschäftigten im deutschen Sicherheitsgewerbe unterzeichnet. Am 25. Oktober hatte der Tarifausschuss beim Bundesministerium für Arbeit und Soziales die Entscheidung über den Antrag von BDWS und ver.di, die Allgemeinverbindlichkeit des Mindestlohn-Tarifvertrages für Sicherheitsdienstleistungen per Rechtsverordnung durch die Bundesregierung zu erklären, auf den 14. Januar 2011 vertagt.

Die Zutrittshürden für Sicherheitsunternehmen in Deutschland sind sehr niedrig. Fast nirgendwo innerhalb der EU ist es so einfach, ein Sicherheitsunternehmen zu gründen. Laufende Kontrollen und Aufträge im Sicherheitsgewerbe betreffen häufig reine „Mann-Stunden-Leistungen“ und werden dabei in erster Linie nach dem Preis beurteilt. Qualitätsaspekte sowie soziale Belange der eingesetzten Mitarbeiter blieben dabei außen vor; nicht selten bekommen ungeeignete Dienstleister mit Tricksereien den Zuschlag.