Kinder vor sexueller Gewalt schützen

1. Dezember 2010 | Themenbereich: SPD | Drucken

Anlässlich des Starts der Europaratskampagne zur Bekämpfung sexueller Gewalt gegen Kinder am 29. und 30. November 2010 in Rom erklärt die Kinderbeauftragte der SPD-Bundestagsfraktion Marlene Rupprecht: Kinder müssen vor allen Formen der sexuellen Ausbeutung und des sexuellen Missbrauchs geschützt werden. Man geht davon aus, dass eines von fünf europäischen Kindern Opfer von sexueller Gewalt ist. In 70 bis 85 Prozent der Fälle kennen die Kinder die Täter. In 90 Prozent der Fälle werden sexuelle Straftaten den Behörden nicht gemeldet.

Die Kampagne dient der Sensibilisierung von Kindern, Erwachsenen, Lehrern und anderen Personen, die Kontakt zu Kindern haben. Sie sollen umfassend aufgeklärt und mit dem Wissen ausgestattet werden, das für die Vorbeugung von sexuellem Missbrauch oder für die Meldung dieser Straftat notwendig ist.

Der Kampagne zugrunde liegt die Konvention des Europarates zum Schutz von Kindern vor sexueller Ausbeutung und sexuellem Missbrauch. Hauptziel der Kampagne ist die Ratifikation der Konvention und ihre effektive Umsetzung durch alle Mitgliedsstaaten des Europarates.

Die geforderten Maßnahmen für Deutschland decken sich weitgehend mit denen, die die SPD-Bundestagsfraktion in dem Papier „Hinsehen, handeln, helfen“ formuliert hat.

So müssen Beratungsstellen und Hilfsangebote flächendeckend ausgebaut, finanziell abgesichert und besser bekannt gemacht werden. Alle Hilfesuchenden müssen sich darauf verlassen können, Hilfe, Beratung und Zugang zu Therapieangeboten zu erhalten. Die Erforschung der Bedingungen und Ursachen sexueller Gewalt und die Evaluation der Wirksamkeit von Präventionsmaßnahmen sollte intensiviert werden.

Private und öffentliche Einrichtungen brauchen verbindliche Regelungen und klare, einheitliche Leitlinien zum Umgang mit Missbrauchsfällen. Die Aus- und Weiterbildungsinhalte von Berufsgruppen, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, müssen systematisch überprüft werden, um das Thema sexuelle Gewalt umfassend zu berücksichtigen.

Das Kindeswohl muss bei allen Maßnahmen zum Kinderschutz im Mittelpunkt stehen. Runde Tische gegen sexuellen Missbrauch sind wichtig und nötig. Aber die Union muss sich endlich dazu durchringen, einer Verankerung der Kinderrechte im Grundgesetz zuzustimmen.