Bundespolizei zerschlägt Schleuserorganisation

30. November 2010 | Themenbereich: Bayern, Bundespolizei | Drucken

Die Bundespolizeiinspektion Kriminalitätsbekämpfung München hat unter Führung der Staatsanwaltschaft Passau und in Zusammenarbeit mit österreichischen und rumänischen Polizeibehörden eine professionelle Organisation von Schleusern ausgehoben. Der länderübergreifenden Polizeiaktion gingen monatelange Ermittlungen voraus. Die bisherige Bilanz: 14 festgenommene Bandenmitglieder.

Das kriminelle Netzwerk hatte allein im vergangenen Halbjahr mehr als 50 Menschen – zumeist Türken, aber auch Syrer und Iraker – unerlaubt in das Bundesgebiet befördert. Die mittels Flugzeug, bzw. per Schiff, Bahn oder Pkw zurückgelegte Route führte von der Türkei über Bulgarien, Rumänien und Serbien nach Österreich bzw. Deutschland. Von dort aus, so der Plan, sollten die illegalen Migranten teilweise auch nach Frankreich oder Italien gebracht werden. Dafür mussten die Flüchtlinge einen Schlepperlohn zwischen 3.500 und 5.500 Euro pro Kopf bezahlen.

Geplant und organisiert hatte die Schleusungen der 47-jährige Türke Mehmet A. Von Spanien aus bediente er sich hierbei eines eigens dazu aufgebauten internationalen Schleuserrings mit strikter Aufgabenteilung.

Auf die Schliche kamen die Ermittler der Bande dank eines aufmerksamen Kollegen aus Passau. Der Bundespolizist hatte nach der Festnahme von zwei Geschleusten im April 2010 die Ermittlungen ins Rollen gebracht und die Fahnder in München, Wien und Bukarest auf den Plan gerufen. Deutsche, österreichische und rumänische Sicherheitsbehörden leiteten daraufhin Strafverfahren gegen die kriminelle Vereinigung ein. Über sieben Monate zogen sich die polizeilichen, teilweise verdeckten, Untersuchungen, bis Zielfahnder des Österreichischen Bundeskriminalamtes den Haupttäter Mehmet A. am vergangenen Freitag (26. November) an seinem spanischen Wohnsitz nahe Bilbao verhaften konnten. In einer international angelegten Polizeiaktion gelang es dann am Montag (29. November), den – ausschließlich aus rumänischen und türkischen Staatsangehörigen bestehenden – Schleuserring zu sprengen.

Allein in Rumänien vollstreckten Polizeibeamte insgesamt zehn Haftbefehle und durchsuchten zahlreiche Wohnungen. In Österreich gelang es, drei Bandenmitglieder zu verhaften. Darüber hinaus fand die österreichische Bundespolizei bei einer der vier vorgenommenen Hausdurchsuchungen einen eingeschleusten Türken. Bei dem Mann handelte es sich zum Erstaunen der Ermittler um den Sohn des Haupttäters. Auch er wurde festgenommen.
Deutsche Bundespolizisten durchsuchten indes zwei verdächtige Wohnungen in Freilassing (Landkreis Berchtesgadener Land) und stellten dort umfangreiches Beweismaterial sicher. Die Münchner Ermittler werten die Beweismittel – darunter Computer und Handys – derzeit noch aus.

Den Kopf der Bande, Mehmet A., erwartet nun ein komplexes, länderübergreifendes Justizprozedere. Der Mann soll zunächst von Spanien nach Österreich überstellt werden, wo er nach Angaben der Ermittler bereits zuvor straffällig geworden sei. Dort wird er sich wegen der in der Alpenrepublik abschließend zu behandelnden Delikte verantworten müssen. Nach zu erwartender Verurteilung und Verbüßung einer Haftstrafe soll der türkische Schleuser-Boss anschließend auf Ersuchen der Staatsanwaltschaft Passau, die bereits einen Haftbefehl beantragt hat, nach Deutschland ausgeliefert werden. Hier wird er aufgrund der erdrückenden Beweislast im Zusammenhang mit weiteren Schleusungsfällen vor Gericht gestellt werden.