Faszination rechter Lebenswelten

22. November 2010 | Themenbereich: Innere Sicherheit, Thüringen | Drucken

Wie kommt es, dass nationalsozialistische Ideen trotz aller Aufklärung über die NS-Verbrechen für manche Jugendliche und Erwachsene noch immer attraktiv sind? Diese Frage stand im Zentrum der Fachtagung „Frei, sozial und national“? Der Faszination rechter Lebenswelten begegnen: Wahrnehmen, Konfrontieren, Argumentieren und Entzaubern“, die diese Woche in der Gedenkstätte Buchenwald stattfand. Beteiligt waren Fachkräfte aus Thüringer Justizvollzugsanstalten und der Jugendhilfe, Lehrer/innen sowie Richter/innen und Staatsanwält/innen aus Thüringen und anderen Bundesländern.

Im Abschlussgespräch unterstrichen der anwesende Generalstaatsanwalt des Landes Thüringen, Hartmut Reibold, und der zuständige Abteilungsleiter für den Strafvollzug im Land Thüringen, Herbert Windmiller, die Notwendigkeit einer kontinuierlich fortgeführten intensiven und fundierten Weiterbildung aller beteiligten Fachkräfte zur Problematik rechter Einstellungen sowie aktueller Tendenzen und Ausprägungen innerhalb der organisierten Rechten.

Herbert Windmiller, Vollzugsabteilungsleiter im Thüringer Justizministerium:„Ich habe sehr begrüßt, dass vor allem so viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Justizvollzugs Interesse an dieser Fachtagung hatten. Gerade im Justizvollzug und hier besonders im Jugendstrafvollzug ist die Auseinandersetzung und Behandlung von rechter Gesinnung eine wichtige Grundlage für die erfolgreiche Resozialisierung. Manchmal ist der Vollzug die letzte Chance, Jugendliche vor einer kriminellen Karriere zu bewahren.“

Im Mittelpunkt der Fachtagung, standen Ansätze und Methoden zum Umgang mit rechten Einstellungen und Lebensentwürfen im Strafvollzug, in Jugendeinrichtungen und Schulen. Die Gedenkstätte Buchenwald als Tagungsort bietet hierfür unterschiedliche thematische Anknüpfungspunkte. So beschäftigten sich die Teilnehmer u. a. mit der Faszination, die Lebensstil und Arbeitsplatz der SS auf Jugendliche ausüben können.

Auf die thematische Beschäftigung mit dem ehemaligen KZ Buchenwald folgten Vorträge über Entwicklungen in der Arbeit mit rechtsextremen Jugendlichen seit 1990, aktuelle Tendenzen im rechten Lifestyle sowie über Konzepte zur pädagogischen Arbeit und zum Umgang mit rechtsextremen Jugendlichen. Dazu waren namhafte Experten wie Prof. Dr. Peter Rieker (Universität Zürich und ehemaliger Leiter der „Arbeits- und Forschungsstelle Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit“ am Deutschen Jugendinstitut (DJI) Halle/Saale), Martin Langebach, (Argumente und Kultur gegen Rechts e.V., Bielefeld), Rainer Spangenberg (Regionale Arbeitsstellen für Bildung, Integration und Demokratie, Brandenburg) und Eckhart Osborg (Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg) geladen. In den Workshops verbanden die Teilnehmer ihre praktischen Erfahrungen mit den Theorien und setzten das neuerworbene Wissen direkt in Gesprächs- und Argumentationstechniken um.

Eine wichtige Qualität der Fachtagung war der intensive Erfahrungsaustausch über unterschiedliche Arbeitsbereiche und Institutionen hinweg. So herrschte Einigkeit unter den Teilnehmern, dass eine enge Zusammenarbeit und Vernetzung zwischen Lehrern, Sozialarbeitern und Justizvollzugsbediensteten für alle Beteiligten in diesem spezifischen Bereich sehr hilfreich und gewinnbringend ist.

Die dreitägige Fachtagung ist eine Kooperationsveranstaltung des Thüringer Justizministeriums und der Gedenkstätte Buchenwald mit der Stiftung „Dr. Georg Haar“ Weimar und Drudel 11 e.V. Jena und fand zum achten Mal statt.