Mutter-Kind-Einrichtung in der Jugendanstalt Neustrelitz

18. November 2010 | Themenbereich: Mecklenburg-Vorp., Strafvollzug | Drucken

Die Staatssekretäre Rainer Dopp (Justizministerium) und Nikolaus Voss (Ministerium für Soziales und Gesundheit) besuchen heute zu einem Informationsaustausch die Mutter-Kind-Einrichtung in der Jugendanstalt Neustrelitz.

Die Mutter-Kind-Einrichtung in der Jugendanstalt wurde im Oktober 2008 durch Justizministerin Uta-Maria Kuder eröffnet und bietet zwei jungen Müttern mit bis zu jeweils zwei Kindern Platz. Die Betriebserlaubnis für die Einrichtung wurde vom Landesamt für Soziales und Gesundheit erteilt.

Staatssekretär Rainer Dopp hebt hervor: „Die besondere Organisationsform der Mutter-Kind-Einrichtung in der Jugendanstalt Neustrelitz ist bundesweit einmalig: Sozialarbeiterinnen von zwei externen Trägern aus dem DRK-Kreisverband Mecklenburgische Seenplatte e.V. und der AWO Mecklenburg-Strelitz GmbH begleiten die jungen Frauen mit den Kindern in ihrem Haftalltag und sichern nicht nur das Wohlergehen der Kinder, sondern unterstützen die Mütter bei der Bewältigung der ersten Lebensjahre ihrer Kinder – und dies auf eine Art, wie sie es häufig selbst nicht erlebt haben.“

Die Mutter-Kind-Einrichtung verhindert eine Trennung von Mutter und Kind während der Haft und kann so Störungen in der Entwicklung des Kindes entgegenwirken. Eine gemeinsame Unterbringung von Müttern mit Kindern in der Jugendanstalt ist auf Ausnahmesituationen beschränkt. Wichtigste Voraussetzung ist, dass die Mutter zur Betreuung des Kindes während und nach der Haft in der Lage ist. Zudem dürfen andere geeignete Unterbringungsmöglichkeiten nicht zur Verfügung stehen und es muss sich um eine relative kurze Haftzeit der Mutter handeln.

„Eine Haftanstalt ist auf Dauer natürlich kein geeigneter Lebensort für ein Kind“, erklärt Staatssekretär Dopp. „Eine gemeinsame Unterbringung scheidet daher aus, wenn das Kind das dritte Lebensjahr vor Ablauf der Haft der Mutter vollendet. Ältere Kinder nehmen zunehmend ihre genauen Lebensumstände wahr!“

„Das Projekt ist erfolgreich angelaufen“, sagt Sozialstaatsekretär Voss. „Alle Beteiligten arbeiten gut zusammen. Die ersten Irritationen darüber, dass jetzt auch Kinder in der Jugendanstalt leben, sind inzwischen überwunden. Wichtiger ist jedoch, dass es offenbar gelingt, auch unter diesen erschwerten Bedingungen tragfähige Mutter-Kind-Beziehungen zu entwickeln.“

Erst Ende September war die Jugendanstalt Neustrelitz erstmals Veranstalter einer bundesweiten Fachtagung zu Mutter-Kind-Einrichtungen im Strafvollzug. Bei dieser Veranstaltung handelt es sich um einen jährlichen Erfahrungsaustausch, der abwechselnd in einer der zwischenzeitlich elf bundesweit vorhandenen Einrichtungen dieser Art stattfindet. Anlass des Treffens im September war insbesondere die Vorstellung der Mutter-Kind-Einrichtung der Jugendanstalt Neustrelitz mit ihren Besonderheiten sowie die Auswertung erster Ergebnisse der wissenschaftlichen Begleitung des Projektes durch die Hochschule Neubrandenburg.