Fachtagung „Tatort Gehirn“

15. November 2010 | Themenbereich: Justiz, Niedersachsen | Drucken

„Bei all unserem Bemühen um die Behandlung und Resozialisierung von Straftätern machen wir auch die Erfahrung, dass es Fälle gibt, bei denen eine Sozialtherapie aussichtslos und eine sichere Unterbringung zum Schutze der Allgemeinheit die einzig verantwortbare Alternative ist.“ Darauf hat der Staatssekretär im Niedersächsischen Justizministerium, Dr. Jürgen Oehlerking, in seinem Grußwort zur Fachtagung „Tatort Gehirn“ am Montag (15.11.2010) in Lingen hingewiesen.

„Wir brauchen deshalb die Sicherungsverwahrung für hochgefährliche Straftäter“, sagte Oehlerking. Es könne keine Lösung sein, sie einfach zu entlassen, so dass sie dann rund um die Uhr von der Polizei überwacht werden müssten. „Auf der Suche nach Behandlungsmöglichkeiten für Täter, die schwerste Straftaten begangen haben und deren Veränderungsmöglichkeiten als nicht sehr groß eingeschätzt werden, bringen uns aber vielleicht auch neurowissenschaftliche Erkenntnisse weiter“, stellte Oehlerking fest. Nach den Erkenntnissen der Neurobiologie gebe es offenbar Zusammenhänge zwischen hirnorganischen Abnormitäten und bestimmten Verhaltensweisen. „Diese Befunde sind geeignet, die bestehenden Behandlungskonzepte sinnvoll zu ergänzen“, sagte der Staatssekretär. Zwar würden damit auch Fragen zur Beurteilung der Schuldfähigkeit von Straftätern aufgeworfen, etwa wie es um die Willensfreiheit von Straftätern bestellt sei. „Aber wenn das Gehirn der Ort ist, an dem Straftaten ihren Ursprung haben, müssen sich letztlich Veränderungen ebenfalls dort manifestieren, um verhaltenswirksam zu werden“, so Oehlerking. Das Gehirn sei aber auch der Ort, an dem traumatisierende Straftaten ihre Folgen hinterlassen, welche die Opfer oft ihr Leben lang beeinträchtigten.

In Niedersachsen werde daran gearbeitet, jede der großen Anstalten des geschlossenen Vollzuges mit einer sozialtherapeutischen Abteilung auszustatten. „Dieses Ziel ist bald erreicht. Noch in diesem Jahr eröffnet die JVA Wolfenbüttel eine sozialtherapeutische Abteilung mit 20 Plätzen und die JVA Celle eine weitere mit zehn Plätzen. Damit werden wir mehr als 300 Plätze in zehn Anstalten haben“, sagte Oehlerking.

Der Staatssekretär dankte den Referenten, darunter auch der als Tatortschauspieler bekannt gewordene Regierungsmedizinaldirektor Hermann Josef Bausch und namhafte Fachärzte für Neurologie und Psychiatrie, und allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern für ihr Engagement. „Insbesondere danke ich den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der JVA Lingen für die Planung und Organisation dieses Tages“, so Oehlerking abschließend.