Die Methode „Castor“: Fakten schaffen

8. November 2010 | Themenbereich: Parteien, SPD | Drucken

Zu den Castor-Transporten ins Wendland erklärt erklärt die Obfrau der SPD-Bundestagsfraktion im 1. Untersuchungsausschuss „Gorleben“ Ute Vogt: In der aktuellen Diskussion um den Castor-Transporten im Wendland sagen viele Beobachter: „Irgendwo müssen die Castoren doch hin. Außerdem gibt es Verträge, die eingehalten werden müssen“. Das mag sein, aber die Castor-Transporte haben mittlerweile nur ein Ziel: Fakten schaffen für die Endlagerung im Salzstock Gorleben.

Denn in Gorleben gibt es kein Atomkraftwerk, dafür aber das größte Atommüll-Zwischenlager Deutschlands. Es hat offiziell nichts mit dem auf der anderen Straßenseite befindlichen „Erkundungsbergwerk“ Gorleben zu tun. Hier wird seit wenigen Wochen wieder „erkundet“, ob eine Endlagerung von hochradioaktivem Atommüll überhaupt möglich ist. Im Zwischenlager lagern jedoch bereits 91 Castoren, elf weitere befinden sich gerade auf dem Weg dorthin. Bis zum Jahre 2017 werden insgesamt 134 Castoren im Zwischenlager Gorleben stehen. In der Aluminiumblechhalle, die so groß ist wie ein Flugzeughangar, wäre dann sogar noch Platz für weitere 300 Castoren. Übrigens: Ein Castor beinhaltet Material mit einer 800-mal höheren radioaktiven Strahlung als sämtlicher Atommüll, der im Endlager Asse gerade absäuft.

Was nach rund 30 Jahren „Abkühlungsphase“ mit den Hunderten von Castoren im Zwischenlager Gorleben geschehen soll, dürfte klar sein. Wer jedoch – wie Merkel und Röttgen – bei diesen Fakten von „ergebnisoffener Prüfung“ des Standortes Gorleben spricht, der sagt nicht die Wahrheit. Hier werden Fakten für die Endlagerung geschaffen. Mit der Erkundung des Salzstocks lassen Merkel und Röttgen ohne Beteiligung der Öffentlichkeit und ohne Umweltverträglichkeitsprüfung bereits jetzt ein Endlager im industriellen Maßstab vorbereiten. Das gerade vom Bundestag beschlossene Atomgesetz sieht dazu die „passenden“ Enteignungsregelungen vor. Diese verantwortungslose Politik als „wegweisend“ und „Brückentechnologie“ zu verkaufen, ist nicht nur zynisch sondern auch verlogen.

Dass vor diesem Hintergrund die Menschen im Wendland auf die Straße gehen um zu demonstrieren, ist verständlich. Seit 30 Jahren werden die Interessen der Menschen dort übergangen und mit jedem Castortransport werden dort Fakten gegen eine Region geschaffen.