Verdächtige Postsendung im Bundeskanzleramt

2. November 2010 | Themenbereich: Innere Sicherheit | Drucken

„Gestern ist in Griechenland eine sogenannte unkonventionelle Sprengvorrichtung, die in einer Postsendung eingebracht war, zur Explosion gekommen. Dabei wurde ein Mitarbeiter eines privaten Postdienstes verletzt. Die Postsendung war an die Botschaft Mexikos in Athen gerichtet. Aufgrund sofort eingeleiteter Fahndungsmaßnahmen konnte die griechische Polizei zwei Verdächtige festnehmen. Diese sind dem linksextremistischen Spektrum zuzuordnen, das sich in Griechenland terroristischer Methoden bedient. Einer der Tatverdächtigen ist als Mitglied der Gruppierung „Verschwörung der Zellen des Feuers“ bekannt. Bei einer der Personen wurden zwei weitere präparierte Postsendungen gefunden. Diese waren zum einen an den Sitz des französischen Staatspräsidenten in Paris sowie zum anderen an die belgische Botschaft in Athen adressiert. Im Zuge weiterer polizeilicher Maßnahmen wurde eine dritte Briefsendung sichergestellt, die an die Botschaft der Niederlande in Athen gerichtet war.

Die in den Briefen eingebrachten Sprengvorrichtungen wurden kontrolliert dort vor Ort zur Explosion gebracht.

Weitere zwischenzeitlich sichergestellte Paketbomben waren an die Botschaften von Bulgarien, Deutschland, Chile und Russland adressiert. Heute wurde zudem bekannt, dass in der Schweizer Botschaft in Athen eine Paketbombenexplosion erfolgt ist. Dabei wurde glücklicherweise niemand verletzt.

Die Gruppe „Verschwörung der Zellen des Feuers“ verübte seit 2008 in Griechenland zahlreiche Sprengstoffanschläge. Bisher waren keine Aktivitäten im Ausland bekannt und ermittelt worden.

In diesen Zusammenhang fügt sich das heutige Ereignis im Bundeskanzleramt ein: Bei der Postkontrolle im Bundeskanzleramt wurde gegen 13.00 Uhr ein verdächtiges Paket festgestellt. Das verdächtige Paket wurde unter Verwendung einer speziellen Technik geöffnet. Nach der ersten Einschätzung der Ermittler handelt es sich dabei um eine sprengfähige Vorrichtung. Diese entsprach – nach allem, was wir wissen – der gleichen Bauart und der gleichen äußeren Erscheinung des Päckchens, das an die schweizerische Botschaft in Athen geschickt wurde und vermutlich auch der anderen Pakete, von denen ich eben gesprochen habe.

Das Paket hat nicht nur einen griechischen Absender, sondern es ist – nach allem, was wir bisher wissen – auch tatsächlich von Griechenland nach Deutschland versandt worden, und zwar vor zwei Tagen. Die Detailuntersuchungen und Ermittlungen durch das Bundeskriminalamt dauern derzeit an. Ich will dem nicht vorgreifen. Wir sind in engstem Kontakt mit den griechischen Behörden, und ich bitte von hier aus alle öffentlichen Stellen in Deutschland in den nächsten Tagen bei Postsendungen, die ihnen unbekannt vorkommen, insbesondere wenn sie aus Griechenland kommen, eine besondere Vorsicht walten zu lassen und unverzüglich die Polizei einzuschalten.“