Sicherheit bei Fußballspielen

2. November 2010 | Themenbereich: Niedersachsen | Drucken

Minister Schünemann hat in Hannover erste Ergebnisse einer Rahmenkonzeption zur Sicherheit im Amateurfußball vorgestellt. „Wir haben in Kooperation mit dem Niedersächsischen Fußballverband und den Amateurvereinen ein erfolgreiches Instrumentarium geschaffen, um die Sicherheit in den Stadien zu verbessern“, erläuterte der Minister. „Die Analyse des Projektes zeigt erste Erfolge der einzelnen Maßnahmen und wir sind sehr zuversichtlich, der Negativentwicklung im Umfeld dieser Sportart damit wirksam zu begegnen.“

Die Polizei in Niedersachsen war in den beiden letzten Spielzeiten im Amateurfußball personell stark gefordert. Insofern war es neben der Bekämpfung und Vorbeugung gruppendynamischer Gewalt bei Fußballspielen vorrangiges Ziel, die Einsatzbelastung der Polizei zu verringern. „Wenn wir es schaffen, die Gewalt der Problemfans in den unteren Spielklassen zu verhindern, reduziert sich auch zunehmend der Bedarf an Polizeischutz. Wir sind hier auf einem sehr guten Weg! Dafür danke ich den Verantwortlichen der Vereine, des NFV und den Fachleuten der Polizei, die mit großer Motivation bereits jetzt gute Ergebnisse vorweisen können“, so Minister Schünemann.

Mitte des Jahres 2006 häuften sich Anzeichen für ein zunehmend gewalttätiges Fanverhalten im Zusammenhang mit Fußballspielen auch unterhalb der deutschen Bundesligen. Um entsprechenden Entwicklungen in Niedersachsen frühzeitig zu begegnen, wurde noch im Jahr 2006 zusammen mit dem Präsidenten des Niedersächsischen Fußballverbandes, Karl Rothmund, ein Runder Tisch veranstaltet und die ständige Niedersächsische Kommission Sport und Sicherheit sowie unterhalb dieser der Ausschuss Sport und Sicherheit ins Leben gerufen. Durch den Ausschuss wurde zunächst ein Lagebild für den Bereich der Fußball-Oberliga Nord sowie der Niedersach-senliga erstellt und im Ergebnis aufgezeigt, dass in diesen Ligen ein ausgeprägtes Gewaltpro-blem nicht vorliegt. Allerdings existierte im Umfeld einzelner niedersächsischer Vereine durchaus ein ernstzunehmendes Problemfanpotenzial.

Vor diesem Hintergrund erarbeitete der Ausschuss Sport und Sicherheit die Rahmenkonzeption „Sicherheit bei Fußballspielen niedersächsischer Vereine im Amateurbereich“, deren Inhalte durch die niedersächsischen Polizeibehörden und den Niedersächsischen Fußballverband seit Saisonbeginn 2008 / 2009 umgesetzt werden. Der Ausschuss Sport und Sicherheit hat nunmehr die Wirksamkeit der Rahmenkonzeption nach der Saison 2008/2009 bei den Beteiligten mit einem aufgaben- und kompetenzorientierten Fragenkatalog evaluiert.
Zielgruppe waren 29 einsatzführende Polizeidienststellen sowie 36 Vereine der Oberliga Nieder-sachsen. Alle Dienststellen und 19 Vereine sandten den Fragebogen zurück, das entspricht einer Rücklaufquote von 100 % bzw. 52,8 %.
Abschließend wurden die sechs (Flächen-)Polizeidirektionen zu einzelnen Aspekten befragt.

Im Folgenden die wichtigsten Ergebnisse:

  • Die Risikoeinstufung von Spielen vor Saisonbeginn und die im Rahmen des standardisierten Informationsaustausches jährlicherstellten Lagebilder, vereinsbezogenen Informationspakete sowie zeitnah vorliegenden Voraus- und Verlaufsmeldungen der einsatzführenden Dienststellen und Voraus- und Verlaufslagen durch die Landesinformationsstelle für Sporteinsätze (LIS) werden von allen Beteiligten als bewährte Basis für die Einsatzvorbereitung angesehen.
  • Darüber hinaus findet im Ausschuss Sport und Sicherheit eine Saisonbesprechung statt. In dieser wird die kommende Saison unter Berücksichtigung der Spieltagsplanung und Auswertung der abgelaufenen Spielzeit betrachtet und Maßnahmen abgestimmt.
  • In den weiteren regelmäßigen Sitzungen des Ausschusses werden u. a. aktuelle Themen behandelt, zum Beispiel Störungen im Zusammenhang mit Fußballspielen oder das Nichteinhalten von Absprachen in den Sicherheitsbesprechungen durch die Beteiligten.
  • Die im Rahmen der Intensivierung der Zusammenarbeit verbindliche Einführung eines Sicherheitsbeauftragten bei den Vereinen und die festgelegten Besprechungen zur Sicherheit sind gut geeignet, die Kommunikation zwischen den Beteiligten zu verbessern und erkannte Sicherheitsmängel unmittelbar abzustellen.
  • Die Ausweitung des Einsatzes von Szenenkundigen Beamten (SKB) auch auf die oberen Amateurligen hat die Erkenntnisgewinnung verbessert und sich in vollem Umfang bewährt.
  • Die Spielstättensicherheit wird als ein wesentlicher Bestandteil der Rahmenkonzeption angesehen, Mängel z. B. bei der baulichen Trennung von Fanblöcken und -zugängen führten in wenigen Fällen zu einem erhöhten Einsatz von Ordnern aber auch Einsatzkräften der Polizei.
  • Hier hat der NFV bereits gehandelt und die baulichen und technischen Auflagen zur Sicherheit in den Spielstätten in der Sicherheitsrichtlinie schrittweise erhöht.
  • Die Regelungen zur Anzahl, Qualifikation und Ausstattung der Ordner führten zu einer verbesserten Aufgabenwahrnehmung durch die Ordnerdienste.
  • Stadionverbote werden als hilfreich für die Einsatzbewältigung bewertet und wurden zunächst als örtliche Verbote angewandt.

Auf Anregung des Ausschusses Sport und Sicherheit hat der NFV bereits mit Beginn der Saison 2009/2010 eine Richtlinie zur landesweiten Gültigkeit von Stadionverboten erlassen.