Fachseminar „Vernehmung“

28. Oktober 2010 | Themenbereich: Baden-Württemberg, Bund Deutscher Kriminalbeamter, Interessenvertretungen | Drucken

m mit 250 Teilnehmern vollbesetzten Säulensaal der Bereitschaftspolizeidirektion Böblingen führte der BDK Baden-Württemberg am 25. Oktober 2010 ein Fachseminar mit dem Themenschwerpunkt „Vernehmung“ durch. Die Kooperation zur Durchführung des Seminars mit der Akademie der Polizei Baden-Württemberg hat sich dabei bewährt.

Nach intensiven Vorbereitungen hatte der BDK Baden-Württemberg Anfang Oktober ein Fachseminar „Vernehmung“ für Teilnehmer aus der Polizei und den Staatsanwaltschaften ausgeschrieben.

Das thematisch auf die Bedürfnisse des Dienstes ausgerichtete Seminar war vom Innenministerium als dienstliche Fortbildung anerkannt worden und die Akademie der Polizei Baden-Württemberg hatte sich spontan zu einer Kooperation zur Abwicklung der Teilnehmermeldung bereit erklärt. Dadurch wurde es den Kolleginnen und Kollegen aus der baden-württembergischen Polizei ermöglicht, sich über das polizeiliche Fortbildungsmanagement online auf die 150 hier ausgeschriebenen Teilnehmerplätze anzumelden.

Weitere Teilnehmerplätze waren darüber hinaus für Vertreterinnen und Vertreter der Staatsanwaltschaften und aus der Bundespolizei reserviert.

Nachdem die in der baden-württembergischen Polizei angebotenen 150 Teilnehmerplätze in nicht einmal drei Tagen ausgebucht waren und es auch aus den Staatsanwaltschaften sowie der Bundespolizei eine starke Nachfrage gab, wurden die räumlichen Möglichkeiten der Tagungsstätte bis auf den letzten Stuhl ausgereizt, so dass zu Tagungsbeginn insgesamt 250 Seminarteilnehmer begrüßt werden konnten.

Da trotz dieser Kapazitätsausweitung zahlreichen Interessenten eine Absage erteilt werden musste, prüft der BDK-Landesvorstand eine Wiederholungsveranstaltung für 2011.

In seiner Begrüßung stellte der BDK-Landesvorsitzende Manfred Klumpp heraus, dass ganz gezielt das Thema „Vernehmung“ für dieses Seminar gewählt wurde, da Vernehmungen immer noch ein zentrales Element der Ermittlungen sind, auch wenn z.B. DNA oder Spuren in der virtuellen Welt des Internets die öffentliche Wahrnehmung derzeit dominieren.
„Vernehmungen und Vernehmungssituationen waren, sind und bleiben das Handwerkszeug der Ermittler, das wir beherrschen müssen, um letztendlich erfolgreich zu sein.“ so Klumpp.

Er machte dann weiter deutlich, dass bei der Planung auch ganz bewusst die Zielgruppe dieses Seminars für Teilnehmer aus den Staatsanwaltschaften und der Polizei breit angelegt wurde, um damit der in Baden-Württemberg traditionell sehr guten, erfolgreichen Zusammenarbeit gerecht zu werden.
Die Veranstaltung bot damit auch Gelegenheit, am Rande des Programms bereits vorhandene Kontakte zu vertiefen oder neue zu gewinnen.

Dem BDK ist es dabei aber auch ein Anliegen, dass Staatsanwaltschaften und Polizei nicht nur an einem Strang ziehen, sondern auch verstehen und nachvollziehen können, warum der jeweils andere etwas macht oder fordert. Dieses Verständnis kann durch solch gemeinsame Fortbildungen in vielen Bereichen hierfür die Basis schaffen.

In einer ersten Analyse zu der enormen Nachfrage für das aktuelle Seminar stellte Manfred Klumpp fest, dass dies sicherlich auf mehreren Kriterien fusst, die es sich lohnt bei Fortbildungsmaßnahmen generell stärker zu berücksichtigen:

  • Eintägige und damit überschaubare Veranstaltungen in räumlicher Nähe werden dem Fortbildungsbedarf und auch -wunsch gerade auch in Zeiten personeller Engpässe und hoher Arbeits- und Einsatzbelastungen mehr gerecht, als Wochenseminare.
    Einen Tag immer wieder für die Fortbildung zu „opfern“, ist fast immer realisierbar.
  • Last but not least und Ehre, wem Ehre gebührt, ist die Resonanz für Seminar auch ganz sicher immer den jeweiligen Referenten zuzuschreiben.
    Für das aktuelle Seminar war es gelungen zwei namhafte Experten zu gewinnen, die einen Blick auf die polizeiliche Arbeit von außen ermöglichen.

Zum Schluß seiner Begrüßung hob Manfred Klumpp nochmals hervor, dass man mit der Abwicklung dieses Seminares neue Wege beschritten habe.

So hat das Innenministerium die Möglichkeit eröffnet, dieses Seminar für die Angehörigen der baden-württembergischen Polizei als dienstliche Veranstaltung in Polizei-Online einzustellen und KD Lechler hat als zuständiger Fachbereichsleiter der Akademie der Polizei ebenso spontan wie unkompliziert eine Kooperation angeboten und die Koordination in Polizei-Online übernommen.

Manfred Klumpp richtete dafür seinen Dank an diesem Tage nach Stuttgart zum Innenministerium und nach Freiburg an die Akademie der Polizei, wo gleichzeitig die Abschlussgespräche der Einführungsfortbildung für die Kriminalpolizei begonnen hatten und die Anwesenheit von KD Lechler erforderten, weshalb er bei diesem Pilotmodell nicht dabei sein konnte und die Teilnehmer aus der Ferne aber ganz herzlich grüßen ließ.

Ein großes Danke ging aber auch an den stellvertretenden Landesvorsitzenden Reiner Pimpl, der dieses Seminar zusätzlich zu seinen dienstlichen Verpflichtungen vorbereitet hatte und auch die weitere Moderation an diesem Tag übernahm.

Bevor der BDK-Landesvorsitzende dann das Mikrofon an den „Hausherrn“ in Böblingen, PD Horlacher, für ein Grußwort weitergab, sprach er auch ihm und seinen Mitarbeiter der Bereitschaftspolizei seinen ganz herzlich Dank für die wieder spontan zugesagte und wie immer sehr professionelle Unterstützung bei der Abwicklung dieses Seminars aus.

„Eine Veranstaltung mit 250 Teilnehmern stellt immer besondere Herausforderungen und bringt manches im Alltagsbetrieb durcheinander.“ so Manfred Klumpp abschließend.

Eloquent, spritzig und fachlich überzeugend zog dann Armin Nack, Vorsitzender Richter am 1. Strafsenat des Bundesgerichtshofes die Seminarteilnehmer in seinen Bann.

Seine Ausführungen, die immer auch einen klaren Praxisbezug aufwiesen, hatten die Schwerpunkte

  • Beschuldigtenstatus
  • Belehrungspflichten
  • Vernehmungstechnik und -taktik (Schwerpunkt „Geständnis“)
  • Anforderungen an das Vernehmungsprotokoll
  • Verwertung und Glaubhaftigkeitsprüfung durch das Tatgericht
  • Revisionsrichterliche Prüfung der polizeilichen Vernehmung.

Dem rund einstündigen Vortrag folgte dann eine fast ebenso lange Diskussions- und Fragestunde, bei der das Gehörte nochmals ausgearbeitet und vertieft werden konnte.

In ihrem rund 90-minütigen Vortrag, ergänzt durch mehrere Fragerunden gab Frau Dr. med. Dipl. Psych. Marianne Clauß, Universität Tübingen, eine Einführung in die Grundlagen der Glaubhaftigkeitsbegutachtung und vertiefte dies anhand der speziellen Problembereiche

  • Kinderaussagen und
  • „Erinnerungen“ bei psychisch auffälligen Zeugen.

Frau Dr. Clauß ist es dabei gelungen, den Seminarteilnehmern das schwierige Thema „Glaubhaftigkeitsbegutachtung“ auch immer wieder mit praktischen und anschaulichen Beispielen näher zu bringen, dessen Grenzen aufzuzeigen und für das richtige Vorgehen bei Vernehmungen zu sensibilisieren.