ACE lehnt Feldversuch mit Groß-LKW ab

5. Oktober 2010 | Themenbereich: Verkehr | Drucken

Unmittelbar vor der in Weimar stattfindenden Verkehrsministerkonferenz (6. und 7.10.), hat sich der ACE Auto Club Europa strikt gegen den von der Bundesregierung geplanten Feldversuch mit sogenannten Giga-linern ausgesprochen. Zugleich appellierte der Club an die Länderverkehrsminister, dem Vorstoß eine Absage zu erteilen. Der Vorsitzende des ACE, Wolfgang Rose, sagte am Dienstag in Stuttgart: „Eine neuerliche Erprobung dieser Fahrzeuge wird keine Erkenntnisse zu Tage fördern, von denen wir nicht schon wissen.

Der ACE-Chef fügte hinzu: „Was in dem beabsichtigten erneuten Versuch herausgefunden werden soll, lassen die politischen Initiatoren völlig im Dunkeln“.

Geht es nach der Mehrheit der Autofahrer in Deutschland, müsste Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU), seine Gigaliner-Pläne ohnehin begraben und auf den bundesweiten Feldversuch mit XXL-Lkw verzichten. Diesen Schluss zieht der ACE aus dem Ergebnis eines Stimmungstests. Danach sprechen sich nur 13 Prozent der Autofahrer für die von Schwarz-Gelb vorgesehene Erprobung der als Gigaliner bezeichneten Riesenlaster aus, gut 86 Prozent hingegen lehnen den Versuch ab. Etwa ein Prozent der insgesamt 1.536 vom ACE Befragten waren unentschieden.

Die Koalition von Union und FDP hatte beschlossen, Gigaliner für den Straßenverkehr auszutesten. Die schwarz-rote Vorgängerregierung sowie die Verkehrsministerkonferenz hatten die Zulassung der Monster-Trucks erst vor drei Jahren abgelehnt. Jetzt will eine neu berufene ministerielle Bund-Länderarbeitsgruppe über die Bedingungen des umstrittenen Gigaliner-Feldversuchs weiter beraten.
Die verkehrspolitischen Befürworter der Riesenlaster erhoffen sich laut ACE von den rund 25 Meter langen Lastern mehr Effizienz im Straßengüterverkehr. Skeptiker der „Monster-Lkw“ befürchten dagegen unter anderem ein erhöhtes Unfallrisiko und eine Überlastung der Fahrbahnen.

Der Club verwies auf die kürzlich veröffentlichte Antwort der Baden-Württembergischen Verkehrsministerin Tina Gönner (CDU), auf eine Anfrage der SPD-Fraktion im Stuttgarter Landtag. Demnach sind die Schäden an Brücken besonders auf den wachsenden Güterverkehr und das höhere zulässige Gesamtgewicht der Lkw zurückzuführen. In Baden-Württemberg sind schon heute von 2.755 Brücken auf Landesstraßen 130 in einem kritischen und 24 gar in einem ungenügenden Zustand.

Verkehrsexperten des ACE rechnen in den nächsten Jahren mit einem erneuten drastischen Anstieg des Straßengüterverkehrs und sind in Sorge, dass die Verkehrsinfrastruktur weiter Schaden nehmen könnte. Gigaliner würden die Lage auch in punkto Verkehrssicherheit wahrscheinlich verschlimmern, Steuerzahler müssten für die Straßensanierung extra bluten und wenige Spediteure würden Zusatzgewinne einstreichen, kritisierte der ACE.