Einsatzbilanz des 200. Oktoberfestes

4. Oktober 2010 | Themenbereich: Bayern, Bundespolizei | Drucken

„Dieser Einsatz stellte streckenweise eine extreme Herausforderung für die Beamtinnen und Beamten meiner Inspektion dar – wir erfüllten erfolgreich unsere Aufgaben. Erhöhte Zahlen von Reisenden spiegeln sich auch in gestiegenen Einsatzzahlen wieder“, so die persönliche Bilanz von Polizeidirektor Jürgen Vanselow, Leiter der Bundespolizeiinspektion (BPOLI) am Münchner Hauptbahnhof nach dem Einsatz anlässlich der Jubiläumswiesn.

Wenn die Bundespolizei auch nicht direkt auf dem Wiesngelände tätig ist, so sind der Münchner Hauptbahnhof und der Haltepunkt Hackerbrücke regelmäßig polizeiliche Schwerpunkte bei der An- und Abreise der Wiesnbesucher: An Spitzentagen reisten heuer bis zu 500.000 Personen über den Hauptbahnhof an und in den Abend- und Nachtstunden wieder ab. Die Bundespolizei, die eine feste Größe im Sicherheitsgefüge der bayerischen Landeshauptstadt darstellt, leistete wie auch in den Jahren zuvor einen wichtigen Beitrag zum reibungslosen Ablauf des größten Volksfestes der Welt.

Durch die Streikmaßnahmen der dbb-Tarifunion in den U-Bahnen verschärfte sich der ohnehin schon sehr starke Andrang auf die S-Bahnen nochmals.

Erhöhten Personaleinsatz forderten zusätzlich die Fußballeinsätze bei Spielen vom FC Bayern in der Champions-League und der ersten Liga, ebenso die Spiele von dem Zweitligisten TSV 1860 München.

Dreimal mussten während der Wiesnzeit Schienenabschnitte wegen Personen im Gleisbereich gesperrt werden. So sprang ein 22-jähriger Deutscher auf dem Heimweg von der Wiesn am Haltepunkt Hackerbrücke am Mittwoch, dem 22. September, auf den Gleiskörper vor eine einfahrende S-Bahn – ihm war seine Geldbörse ins Gleis gefallen. Nur eine Schnellbremsung der S-Bahn rettete den Mann vor einem Unfall.

Am Freitag, dem 24. September, ging ein stark alkoholisierter Mann aus Gifhorn um 19:15 Uhr zwischen den Haltepunkten Berg am Laim und Leuchtenbergring direkt im Fernbahngleis. Der Lokführer des Euro-City von Verona nach München erkannte die Situation und leitete eine Schnellbremsung ein. Die 180 Meter Bremsweg, die der Zug bis zum Stillstand brauchte, wären eindeutig zu viel gewesen. Nur der Tatsache, dass er neben die Schienen stürzte, hat der betrunkene Gleiswanderer sein Leben zu verdanken. Bei dem Sturz zog sich der Mann am Arm leichte Verletzungen zu.

Am Freitag (1. Oktober) des letzten Wiesnwochenendes waren mehrere Personen im Gleisbereich zwischen der Hackerbrücke und dem Hauptbahnhof unterwegs. Auf die gefährliche Idee waren sie gekommen, da Ihnen offenbar die Wartezeit auf die S-Bahn zu lange war. Leidtragende waren alle übrigen – disziplinierten -Wiesnheimfahrer, die dadurch noch länger auf die S-Bahnen warten durften, da die Bahnstrecke aus Sicherheitsgründen gesperrt werden musste.

Um den Massen der per S-Bahn an- und abreisenden Wiesnbesucher den Raum zu überlassen, durften Kraftfahrzeuge die Hackerbrücke an den Wochenenden zeitweise gar nicht befahren. Oftmals war der Fußgängerstrom so extrem hoch, dass die Auf- und Abgänge von der Brücke zum Bahnsteig nur noch Blockweise geöffnet werden konnten. Am letzten Wochenende musste der Zugang auf die Brücke phasenweise sogar komplett gesperrt werden.

Auf der Hackerbrücke von Weitem schon zu hören: ein Lautsprechkraftwagen der Bundespolizei. Dieser wurde regelmäßig für polizeiliche Durchsagen genutzt. Aber nicht nur, denn das Einsatzfahrzeug wurde auch auf eine unkonventionelle Art eingesetzt: Dort gespielte Oktoberfesthits trugen sichtlich dazu bei, die gute Laune während des Wartens auf die nächste S-Bahn zu erhalten und wirkten somit beruhigend auf die Reisenden. Das Fahrzeug kam bei den Fahrgästen sehr gut an. Immer wieder stimmten die Wartenden der Song „blau-weißer Partybus“ an. Damit wurde das Einsatzziel „spielend“ erreicht: Menschen die singen und feiern, verhalten sich nicht aggressiv!

Trotz der vielfältigen Bemühungen um Deeskalation kam es am Samstag, dem 25. September, zu einem gefährlichen Vorfall an der Hackerbrücke. Ein 65-jähriger Mann aus Olching sprach zwei Brüder am Treppenabgang zum Haltepunkt auf das Rauchverbot an. Er wurde daraufhin zu Boden gestoßen und zog sich dabei einen Oberschenkelhalsbruch zu, sodass er am darauffolgenden Montag in einem Münchner Krankenhaus operiert werden musste. Passanten, die dem Opfer zu Hilfe kamen, wurden ebenfalls körperlich angegangen. Auch sie trugen Verletzungen davon. Die beiden Täter wurden von Bundespolizeibeamten noch auf dem Bahnsteig festgenommen. Bei den polizeilichen Maßnahmen verhielt sich der 27-jährige Haupttäter äußerst aggressiv und leistete erheblichen Widerstand. Da der Mann bereits mehrfach polizeilich in Erscheinung getreten war, erließ das Amtsgericht München einen Untersuchungshaftbefehl.

Zu einer weiteren Gefährlichen Körperverletzung kam es am Freitag, dem 1. Oktober, in der Schalterhalles des Hauptbahnhofs. Vier Reisende aus Rumänien gerieten dort in Streit, der schon bald in Schlägen und Tritten gipfelte. Der Haupttäter sitzt derzeit in Untersuchungshaft. Er hatte mehrmals auf den Kopf seines Kontrahenten getreten, selbst als dieser bereits bewusstlos auf dem Boden lag.

Die statistische Einsatzauswertung zeigt insgesamt im Bereich der einfachen Körperverletzungsdelikte signifikante Veränderungen gegenüber dem Vorjahr. So kam es im Bereich der Bundespolizeiinspektion München während der Wiesnzeit zu 50 (2009: 27) Körperverletzungsdelikten. Darüber hinaus hatten die Bundespolizisten mit vier gefährlichen Körperverletzungen und vier Widerstandshandlungen gegen Vollstreckungsbeamte zu tun.

Auch die „Afterwiesnpartys“, gefeiert im ganzen Stadtgebiet und besonders ausgelassen in der Nähe des Ostbahnhofs, verlangten reichlich Polizeiarbeit bis in die frühen Morgenstunden. Die Partylaune der Feiernden, manchmal nicht ausschließlich durch Wiesnbier berauscht, forderte den Bundespolizeibeamtinnen und -beamten einiges ab.

Reichlich Arbeit hatten die Taschendiebfahnder (TD-Fahnder) der Bundespolizei. Hervorragende Ergebnisse können auch die Beamten nachweisen, die auf dem Wiesngelände mit der Bayerischen Landespolizei und ausländischen Kollegen unterwegs waren (siehe Wiesnbericht PPM).