Sparmaßnahmen des Senates gefährden kriminalpolizeiliche Ermittlungen

29. September 2010 | Themenbereich: Bund Deutscher Kriminalbeamter, Hamburg, Interessenvertretungen | Drucken

Vier Kollegen des LKA 233 beschäftigen sich in Hamburg ausschließlich mit der Fahndung in Pfand- und Leihhäusern. Täter versetzen hier immer noch einen nicht unerheblichen Teil ihrer Beute. Das hat sich trotz eBay oder anderen Auktionsplattformen nicht wesentlich geändert. Das LKA 233 ist dabei Servicedienststelle für die gesamte Kriminalpolizei. Sie ist auch zentraler Ansprechpartner für auswärtige Polizeidienststellen.
Sparmaßnahmen des Senates gefährden kriminalpolizeiliche Ermittlungen: Auflösung der Sachfahndung zeugt von mangelndem Fachverstand

Erst in diesem Jahr hat die Polizei Hamburg die jahrelangen Forderungen des BDK umgesetzt und eine zentrale Dienststelle für die Bearbeitung des Deliktes „Wohnungseinbruch“ geschaffen. Daher ist die jetzige Entscheidung des Senates umso unerklärlicher und nicht nachvollziehbar. Die Sachfahndung ist ein wichtiger Baustein bei der Bekämpfung des Wohnungseinbruchsdiebstahls. Jahr für Jahr stellen die Fahnder des LKA 233 (Sachfahndung) in den Hamburger Pfand- und Leihhäusern Schmuck und Uhren im Wert von bis zu 2 Millionen Euro sicher. In vielen Fällen konnten Taten erst durch das Auffinden von entwendeten Gegenständen dem Täter zugeordnet und somit aufgeklärt werden. Wenn der Senat behauptet, den Wohnungseinbruch ernsthaft wirksam bekämpfen zu wollen, darf er auf die Sachfahndung nicht verzichten!

Eine Auflösung der Dienststelle Sachfahndung macht fachlich keinen Sinn. Diese notwendige kriminalpolizeiliche Maßnahme auf die örtlichen Kripo-Dienststellen zu verlagern, die die Hauptauftraggeber im Bereich der Sachfahndung sind, ist kontraproduktiv und wird dazu führen, dass die Sachfahndung zeitnah einen leisen Tod stirbt, weil sie einfach nicht mehr durchgeführt wird. Das liegt daran, dass zukünftig jeder Ermittler mit einem Täterhinweis oder z.B. einem Foto von einem entwendeten Schmuckstück, welches ihm vom Besitzer überlassen wurde, die 20 Hamburger Pfand- und Leihhäuser abklappern müsste. Den örtlichen Kripo-Dienststellen fehlen derzeit bereits ca. 60 Beamte. Dort kann oft nur noch das Tagesgeschäft aufrecht erhalten werden. Wenn die Bürgerinnen und Bürger dieser Stadt wüssten, wie schlecht es in Wirklichkeit um die Personalsituation der Hamburger Polizei bestellt ist, würde es ein Aufschrei geben.

In einem Stadtstadt macht nur die zentralisierte Sachfahndung einen Sinn. Die Kollegen des LKA 233 haben die notwendige Logistik, kennen die speziellen Anforderungen, die z.B. das Pfandrecht betreffen und haben ihre erforderlichen Netzwerke. Das klappt aber auch nur, weil ein Vertrauensverhältnis zwischen den Pfand- und Leihhausbetreibern und den Mitarbeitern des LKA 233 existiert, welches über die Jahre erarbeitet wurde.

Wer jetzt die Sachfandung de facto abschafft, hat keinerlei Ahnung von wirksamer Kriminalitätsbekämpfung. Das wird sich nicht zuletzt in einer sinkenden Aufklärungsquote bemerkbar machen. Die Verantwortung dafür trägt dann aber die Politik, nicht die Polizei!