Zahl der Unfallopfer geht weiter zurück

8. März 2010 | Themenbereich: Niedersachsen, Verkehr | Drucken

Die Zahl der Verkehrstoten in Niedersachsen geht weiter zurück: Im Jahr 2009 sind 542 Personen bei Verkehrsunfällen auf niedersächsischen Straßen ums Leben gekommen. Das entspricht einem Rückgang von ca. 8,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit setzen sich die deutlichen Rückgänge der vergangenen Jahre fort. Bereits im Vorjahr hatte es in Niedersachen eine Reduzierung der Anzahl der Verkehrstoten von 6,15 Prozent gegenüber dem Jahr 2007 gegeben. Im Jahr 2000 hatte die Anzahl getöteter Verkehrsteilnehmer in Niedersachsen noch bei 918 Verkehrstoten gelegen. Damit hat sich die Zahl der Verkehrstoten in den vergangenen zehn Jahren um ca. 41 Prozent reduziert. „Diese Entwicklung ist auch das Ergebnis der strategischen Grundentscheidung, die Schwerpunkte der polizeilichen Verkehrssicherheitsarbeit auf die unfallbelasteten Landstraßen, die Hauptunfallursachen und die besonders gefährdeten Zielgruppen zu konzentrieren“, sagte der Niedersächsische Innenminister Uwe Schünemann.

Insbesondere in den Feldern der polizeilichen Schwerpunktbildung, den „Baumunfällen“ auf dem außerörtlichen Straßennetz und der Unfallbeteiligung junger Fahrer, sind überproportional hohe Rückgänge zu verzeichnen. „Die niedersächsische Polizei wird ihre Strategie einer unfallursachenorientierten Verkehrssicherheitsarbeit daher fortsetzen und ihre Möglichkeiten weiterhin nutzen, um das Sicherheitsniveau auf den niedersächsischen Straßen zu verbessern. Dabei liegen die polizeilichen Schwerpunkte weiterhin bei den Baumunfällen auf Landstraßen und bei der Zielgruppe der jungen Fahrer“, sagte Schünemann.

Kinder:
Die Zahl der im Straßenverkehr getöteten Kinder hat sich gegenüber 2008 nochmals von 15 auf 12 reduziert. Im Jahr 2000 waren noch 29 Kinder im Straßenverkehr getötet worden.

Junge Fahrer:

Auch bei der Zielgruppe der jungen Fahrer im Alter von 18 bis 24 Jahren konnte ein deutlicher Rückgang bei der Anzahl der Verkehrstoten erreicht werden. Mit 111 getöteten jungen Fahrern wurde die Zahl des Vorjahres mit 137 Fällen um ca. 19 Prozent unterschritten.
Im Jahr 2000 hatte die Anzahl der im Straßenverkehr getöteten jungen Fahrer noch bei 227 gelegen. Insgesamt ist damit innerhalb von 10 Jahren ein Rückgang von ca. 51,1 Prozent eingetreten.

Senioren (65+)

Die Zahl der im Straßenverkehr getöteten Personen aus der Altergruppe ab 65 Jahre ist um ca.
4,1 Prozent auf 116 getötete Senioren zurückgegangen. Im Jahr 2008 hatte diese Zahl noch bei
121 gelegen.

Autobahnen

Auf den Niedersächsischen Autobahnen ist die Anzahl getöteter Verkehrsteilnehmer von 56 im Jahr 2008 auf 54 im vergangenen Jahr zurückgegangen. Das entspricht einer Reduzierung um ca. 3,6 Prozent. Demgegenüber ist die Anzahl schwer verletzter Unfallopfer auf Autobahnen um ca. 18,3 Prozent von 426 auf nunmehr 504 angestiegen. Allerdings war hier im Vorjahr ein außerordentlich starker Rückgang gegenüber 557 Schwerverletzten im Jahr 2007 zu verzeichnen gewesen.
In der langfristigen 10-Jahres-Betrachtung ist gegenüber 865 Schwerverletzten auf Autobahnen im Jahr 2000 ein Rückgang um ca. 41,8 Prozent zu verzeichnen.

Weniger Baumunfälle dank Kompetenzteams:

Auf den Landstraßen außerhalb geschlossener Ortschaften gingen die Zahlen der Verkehrstoten am stärksten zurück. Waren dort im Jahre 2008 noch 413 Getötete zu verzeichnen, sank diese Zahl im Jahre 2009 auf 359. Das entspricht einer Reduzierung um ca. 13,1 Prozent.
Dazu beigetragen hat eine deutliche Reduzierung der „Baumunfälle“, insbesondere mit schweren Folgen. Während die Zahl der Baumunfälle von 3.821 im Jahr 2008 auf 3.520 im Jahr 2009 zurückging, sank die Anzahl der bei einem Baumunfall zu Tode gekommenen Unfallopfer sogar um ca. 23,5 Prozent, von 204 Verkehrstoten auf 156.
„Die Zahlen belegen, dass Niedersachsens Straßen im vergangenen Jahr wieder ein Stück sicherer geworden sind. Zu dieser Entwicklung hat auch die Arbeit der „Kompetenzteams zur Reduzierung des Baumunfallgeschehens“ beigetragen, die auf eine gemeinsame Initiative des Verkehrsministers und von mir bei den Niedersächsischen Polizeidirektionen gebildet worden sind“, sagte Schünemann.
In den Kompetenzteams hat die Polizei gemeinsam mit Straßenverkehrsbehörden, Straßenbauämtern und weiteren Trägern von Verkehrssicherheitsarbeit, wie der Landesverkehrswacht und der Unfallforschung des GDV, baumunfallbelastete Strecken auf geeignete Präventionsmaßnahmen hin untersucht und mittlerweile eine Reihe von Maßnahmen umgesetzt.
„Die ersten vorliegenden Ergebnisse zeigen, dass auf der Grundlage einer umfassenden örtlichen
Unfalluntersuchung erfolgversprechende Verkehrssicherheitsmaßnahmen umgesetzt worden sind“, so der Innenminister.

So konnte auf der Bundesstraße B 4 im Bereich Gifhorn die Anzahl der Verunglückten im vergangenen Jahr deutlich reduziert werden. Dabei verringerte sich die Anzahl der Getöteten von vier auf einen und die der Schwerverletzten von 13 auf 10. Neben einer intensiven polizeilichen Überwachung haben dazu insbesondere eine partielle Erneuerung der Fahrbahndecke, die Errichtung einer weiteren stationären Geschwindigkeitsmessanlage sowie die Verwendung von Agglomerat-Fahrbahnmarkierungen, die durch ihre profilierte Struktur eine akustische Warnwirkung beim Überfahren hervorrufen, beigetragen.

Ähnliche Ergebnisse liegen mir aus der Polizeidirektion Hannover vor. Auch auf der Bundesstraße 217 ist das Unfallgeschehen deutlich zurückgegangen. So hatten sich im Jahr 2008 auf der Bundesstraße 217 in den Bereichen Ronnenberg und Springe sechs Baumunfälle ereignet, bei denen zwei Personen leicht verletzt und ein Verkehrsteilnehmer getötet worden waren.
Nach dem Bau von Schutzplanken, einer Intensivierung der polizeilichen Geschwindigkeitsüberwachung und der Entfernung von Bäumen an besonders neuralgischen Stellen war im Jahr 2009 nur noch ein Baumunfall zu verzeichnen. Zu Personenschäden kam es nicht mehr.

Bei der Polizeidirektion Oldenburg konnten für die Bundesstraße 51 im Bereich Diepholz die  Baumunfallzahlen ebenfalls reduziert werden. Gegenüber dem Jahr 2008, in dem sich noch 9 Baumunfälle ereignet hatten, ging diese Zahl auf drei zurück. Gegenüber dem Vorjahr reduzierte sich die Zahl der daraus resultierenden Personenschäden von vier auf drei. Allerdings wurde im vergangenen Jahr eine Person bei einem Verkehrsunfall getötet. Im Jahr 2008 hatte es dort keine Verkehrstoten im Zusammenhang mit einem Baumunfall gegeben.

Im Bereich der Polizeidirektion Osnabrück traten im vergangenen Jahr auf der Landesstraße 60
keine Baumunfälle mehr auf. Im Jahr 2008 waren hier noch zwei Baumunfälle zu verzeichnen
gewesen, bei denen eine Person schwer verletzt und eine getötet worden war.
Aufgrund der geringen Fallzahlen und des kurzen Betrachtungszeitraumes ist die Aussagekraft
dieser Zahlen natürlich eingeschränkt. Der positive Trend bestätigt aber die Richtigkeit des Konzepts,
den Sachverstand und die Entscheidungskompetenzen in einem interdisziplinär besetzten
Kompetenzteam Baumunfälle zu bündeln. Ich bin sicher, dass es uns auf diesem Wege gelingen
kann, die Sicherheit auf den niedersächsischen Landstraßen weiter deutlich zu steigern.

Alkohol und Drogen

Erneut gesunken ist die Anzahl der Verkehrsunfälle unter Alkoholeinfluss. Gegenüber 4.128 Alkoholunfällen im Jahr 2008 ereigneten sich im vergangen Jahr noch 3.963 Trunkenheitsunfälle.
Das entspricht einem Rückgang von ca. vier Prozent. Damit ist seit dem Jahr 2000, in dem sich noch 17.429 Verkehrsunfälle unter Alkoholeinfluss ereignet hatten, eine kontinuierliche Reduzierung der Alkoholunfallzahlen festzustellen. Diese Entwicklung ist auch ein Beleg für die rückläufige gesellschaftliche Akzeptanz des Fahrens unter Alkoholeinfluss.
Auch die von der Polizei festgestellten Fahrten unter Drogeneinfluss sind zurückgegangen. Gegenüber 7.113 Delikten im Jahr 2008 ist die Zahl der festestellten Fälle im vergangenen Jahr auf 5.854 gesunken. Das entspricht einer Reduzierung um 17,7 Prozent. Möglicherweise deutet sich hier nach stetigen Zunahmen in den vergangenen Jahren eine Umkehr des bisherigen Trends an. „Die Polizei hat in den vergangenen Jahren mit verstärkten Kontrollaktivitäten verdeutlicht, dass sie in der Lage ist, das Führen von Kraftfahrzeugen unter Drogeneinfluss sicher festzustellen. Damit ist die Abschreckung deutlich erhöht worden“, so Schünemann.

Gesamtentwicklung
Die Gesamtzahl der Verkehrsunfälle, die der Polizei bekannt geworden sind, hat im vergangenen Jahr zugenommen. Insgesamt wurden der Polizei im Jahr 2009 201.082 Unfälle gemeldet. Das sind ca. 5,61 Prozent mehr als im Jahr 2008. Diese Entwicklung dürfte vor allem auf die widrigen Straßenverhältnisse im Winter 2008/2009 zurückzuführen sein. Allerdings sagen die Gesamtunfallzahlen nur wenig über die Entwicklung der Verkehrssicherheit aus, da der Polizei ohnehin nur etwa die Hälfte der bei den Haftpflichtversicherern gemeldeten Verkehrsunfälle bekannt wird. Bei schweren Unfallverläufen wird die Polizei hingegen grundsätzlichhinzugezogen.
Auch aus diesem Grund gilt die Zahl der schwer verletzten und getöteten Unfallopfer als verlässlicher Indikator für den Verkehrssicherheitsstatus.

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