Welcher Motorradtyp passt zu mir?
4. März 2010 | Themenbereich: Motorrad | DruckenWenn mit dem Frühjahr die Fahrsaison naht, ist die Hochzeit der Motorradkäufe. Damit die Wahl einer Maschine nicht zur Qual wird und nicht nur Einsteiger das passende Bike finden, haben die ADAC-Motorradexperten die wichtigsten Tipps zusammengestellt.
Für viele Zweiradfans ist der Kauf eines Motorrades Herzenssache und in der Mehrzahl der Fälle wird die Entscheidung offensichtlich mehr mit dem Bauch und weniger mit dem Hirn getroffen. Als fatale Folge sieht der erfahrene ADAC-Motorradtrainer Michael Bartz deshalb häufig Piloten, die mit ihrem motorisierten Zweirad überfordert sind: „Wer nicht mit beiden Füßen auf den Boden kommt und beide Lenkerenden auch bei vollem Lenkeinschlag bequem erreicht und in den Händen hat, kann nicht sicher fahren.”
Doch Bartz geht noch weiter: „Nur wer seine Maschine zudem auch problemlos rangieren und aufbocken kann, hat das zu ihm passende Gefährt.” Der Motorradtrainer verweist allerdings darauf, dass Körpergröße allein nicht das Kriterium sein kann. Es komme auch auf die Proportionen an: „Nur Probesitzen und zwingend auch eine Probefahrt kann letztlich zur richtigen Entscheidung führen.” Schließlich gebe es Sitzriesen oder Menschen mit kürzeren Armen. Die hätten beispielsweise ein sportliches Motorrad mit breitem Tank und Stummellenker nicht richtig im Griff.”
Die meisten Motorrad-Hersteller bieten zwar verschiedene Sitzhöhen durch verstellbare oder austauschbare Sitzbänke, doch bei der Einstellmöglichkeit von wichtigen Bedienteilen wie Lenker, Hebel oder Fußrasten besteht immer noch Nachholbedarf. Dass hier die Zubehörindustrie in die Bresche springt und für individuelle Lösungen sorgen kann, wissen nur wenige Einsteiger.
Finanzen und Einsatzweck
Neben Körpergröße und Proportionen sind selbstredend der finanzielle Rahmen und persönliche Vorlieben, vor allem aber der Einsatzzweck des Motorrades entscheidende Kriterien beim Suchen und Finden der richtigen Maschine. Während die Dicke des Geldbeutels in den meisten Fällen zwischen Gebraucht- oder Neukauf entscheidet, sollte der potentielle Käufer wissen, was er mit dem Motorrad vornehmlich machen will. Wer ein Fahrzeug für die Stadt und Kurztrips will, der braucht eine andere Maschine als der Pilot, der regelmäßig mit Sozia und Gepäck auf große Tour gehen will. Wer ins Gelände oder auf Schotterstraßen ans Ende der Welt gelangen will, ist mit einer Enduro besser gestellt. Mit einem passenden Sportmotorrad kann Fahrspaß von Landstraßen bis zu speziellen Trainings auf Rennstrecken „erfahren” werden, längere Etappen im Normalverkehr können auf Grund der Sitzposition und der Belastung der Handgelenke zur Tortur machen.
Die Bandbreite des Motorrad-Angebots besetzt denn auch (fast) jede Nische. Sie reicht vom puren Motorrad, neudeutsch „Naked Bike”, über Motorräder mit teilweiser oder ganzer Verkleidung bis zu Touren-Motorrädern im Luxus-Look. Oder von kleinen bis zu grobstolligen Reise-Enduros, vom sportlichen Gefährt bis zum Supersportler mit Straßenzulassung und von Choppern und Cruisern in jeder Hubraum-Größe.
Im Internet oder Motorrad-Zeitschriften oder -Katalogen kann die Wahl der Gattung zielführend vorbereitet werden. Wer sich für einen bestimmten Maschinen-Typus entschieden hat, findet meistens mehrere Modelle verschiedener Marken. Ein Besuch der einschlägigen Motorrad-Ausstellungen oder beim Fachhändler hilft weiter und lässt neben einer Besichtigung auch die Sitzprobe zu. Fachkundiges Personal, das mit Rat und Tat helfen kann, erleichtert eine Entscheidung. Nicht jeder Erstkäufer erkennt allerdings, ob ein Händler womöglich einige Vierzylinder zuviel eingekauft hat und sie um jeden Preis vom Hof bekommen will. So oder so: Ohne Probefahrt sollte kein Kaufvertrag unterschrieben werden.
Weil beim Motorradkauf immer auch Emotion im Spiel ist, sollten aber auch andere wichtige Kriterien bedacht und folgende Grundsatzfragen vorher geklärt werden:
- Was kosten Versicherung und Steuer?
- Wie lange soll das Motorrad gefahren werden und wie sieht es in Sachen Werterhalt oder -verlust aus?
- Was sagen Testberichte, Dauertests oder Motorrad-Internetforen zu der gewählten Maschine?
- Gibt es einen Händler und eine Werkstatt in der Umgebung?
Wertvolles ABS
Wer ein Motorrad kauft, der sollte laut ADAC-Rat nach Möglichkeit eine Maschine mit ABS wählen. Nach dem Siegeszug im Auto gibt es inzwischen auch über 100 Motorrad-Modelle vom Einsteiger- bis zum Superbike mit diesem Schutzsystem, doch nur knapp 30 Prozent der zugelassenen Maschinen besitzen es bereits. Eine ADAC-Untersuchung bestätigt Unfallforscher eindrucksvoll: Rund 100 getötete Motorradfahrer weniger pro Jahr in Deutschland und viele Unfälle mit Verletzten und Sachschäden könnten bei flächendeckendem ABS-Einsatz vermieden werden.
Dank ABS können selbst auf nasser Fahrbahn hohe Verzögerungswerte erreicht werden, die kaum ein Viertel der Motorradfahrer ohne ABS-Unterstützung bei Trockenheit schafft. Die meisten Motorradfahrer nutzen nämlich selbst auf trockener Fahrbahn die Bremsleistung aus Angst vor einem blockierenden Vorderrad nicht maximal und verlängern den Bremsweg damit um entscheidende Meter. Auch bei Not- oder Schreckbremsungen, die häufig zum Überbremsen führen, ist eine ABS segensreich. Und beim Wiederverkauf erzielt eine Gebrauchtmaschine mit Antiblockiersystem immer einen höheren Preis…


