Sicherheitslage stabil – Höchste Aufklärungsquote
4. März 2010 | Themenbereich: Kriminalität, Schleswig-Holstein | DruckenDie Zahl der Straftaten in Schleswig-Holstein ist im vergangenen Jahr leicht gestiegen. Die Polizei zählte insgesamt 243.000 Delikte, ein Prozent mehr als 2008. Hauptursache sind 20 Prozent mehr Vermögens- und Fälschungsdelikte. Dagegen gingen die Diebstahls- und die Gewaltkriminalität um jeweils zwei Prozent zurück. Innenminister Klaus Schlie sprach bei der Vorstellung der Kriminalstatistik vor der Landespressekonferenz am Donnerstag (4. März) in Kiel von einem vergleichsweise unspektakulären Ergebnis. „”Die Sicherheitslage in unserem Land ist weiter stabil”", sagte der Minister.
Das belegt auch die so genannte Häufigkeitszahl, die Auskunft darüber gibt, wie viele Straftaten auf 100.000 Einwohner kommen. Mit 8.568 Fällen in 2009 liegt sie auf dem Niveau der vergangenen vier Jahre. „”Die Gefahr ist weiterhin gering, in Schleswig-Holstein Opfer einer Straftat zu werden”", sagte Schlie. Gleichwohl sei jedes Kriminalitätsopfer ein Opfer zu viel. Er stelle mit Zufriedenheit fest, dass die Interessen der Opfer von Straftaten heute mehr Beachtung fänden. „”In der Vergangenheit haben wir sehr viel über die soziale Situation eines Straftäters gesprochen und dabei das körperliche Leid und die seelische Not seines Opfers vernachlässigt”", sagte Schlie. Der Staat habe jedoch eine besondere Verpflichtung gegenüber den Opfern von Straftätern. Opferschutz sei deshalb auch ein Schwerpunkt schleswig-holsteinischer Innen- und Rechtspolitik.
Höchste Aufklärungsquote seit zehn Jahren
2009 war mit Blick auf die Entwicklung der Gesamtkriminalität der zurückliegenden zehn Jahre nach Ansicht des Ministers ein unterdurchschnittliches Jahr; im Gegensatz zur Aufklärungsquote. Sie beträgt 49,2 Prozent und ist damit die höchste seit 2000. Fast jede zweite Straftat konnte 2009 aufgeklärt werden. Das spiegelt sich auch in der Zahl der Tatverdächtigen wider: Die Polizei ermittelte 82.350 Personen, vier Prozent mehr als 2008. Darunter waren rund 12.000 Ausländer, das entspricht einem Anteil von 14,4 Prozent im Vergleich zu 12,8 Prozent in 2008. Die gestiegene Zahl ausländischer Tatverdächtiger ist darauf zurückzuführen, dass 2009 häufiger als im Jahr davor gegen ausländerrechtliche Bestimmungen verstoßen wurde; es handelt sich mithin um Taten, die nur von Ausländern begangen werden können.
Entwicklung der Jugendkriminalität ist unbefriedigend
Als unbefriedigend nannte Schlie die Entwicklung der Jugendkriminalität. Obwohl der Anteil der Menschen in Schleswig-Holstein, die jünger als 21 Jahre sind, seit 2000 von 22 auf 21 Prozent gesunken ist, blieb der Anteil der Tatverdächtigen unter 21 Jahren nahezu konstant bei 29 Prozent. Die Polizei werde sich weiterhin darum kümmern, dass junge Menschen möglichst nicht kriminell werden. „”Die Polizei wird aus der Präventionsarbeit für Kinder und Jugendliche nicht aussteigen”", sagte Schlie mit Blick auf die anstehenden Überlegungen, die Polizei auf Kernaufgaben zu konzentrieren. „”Eine Polizei, die keine Präventionsarbeit mehr betreibt, ist für mich nicht vorstellbar”", sagte der Minister.
Jugendkriminalität und Alkohol
Jugendkriminalität und Alkohol stehen offenbar in einem engen Zusammenhang. Jeder vierte Tatverdächtige unter 21 Jahren hat seine Tat unter Alkoholeinfluss begangen. Bei den Rohheitsdelikten wie Raub, Körperverletzung, Nötigung oder Bedrohung ist der Anteil junger Tatverdächtiger, die bei der Tatbegehung unter Alkoholeinfluss standen, mit 37 Prozent besonders hoch.
Weniger Gewaltdelikte, aber das Niveau ist noch zu hoch
Der Rückgang der Gewaltkriminalität um knapp zwei Prozent ist nach den Worten von Schlie erfreulich, aber noch kein Indiz für eine Trendwende. Denn vor zehn Jahren gab es 1.000 Gewaltdelikte weniger als 2009. Und auch die Regionen des Landes sind von Gewaltkriminalität unterschiedlich stark belastet. „”Wir liegen leider noch insgesamt auf einem zu hohen Niveau”", sagte der Minister. Mit einem Anteil von rund drei Prozent an der Gesamtkriminalität bleiben Gewaltstraftaten in Schleswig-Holstein aber weiterhin die Ausnahme. Und die meisten Gewalttäter bleiben nicht unentdeckt, denn drei von vier Gewaltstraftaten werden aufgeklärt.
Weniger Diebstähle, mehr Vermögens- und Fälschungsdelikte
Massendelikte wie Diebstahl und Betrug schlagen in der Kriminalstatistik viel häufiger zu Buche, stehen aber deutlich weniger im Blickpunkt des öffentlichen Interesses. Fast jede zweite Straftat (rund 44 Prozent) ist ein Diebstahl. Die Vermögens- und Fälschungsdelikte haben noch einen Anteil von 15 Prozent an der Gesamtkriminalität.
Schwerpunkteinsätze gegen Tageswohnungseinbrüche
Die Diebstahlskriminalität ist im vergangenen Jahr um rund 2.200 Delikte auf 106.000 Fälle zurückgegangen. Die gestiegene Zahl von Wohnungseinbrüchen am Tage um rund zehn Prozent ist auch darauf zurückzuführen, dass Taten aus dem Jahr 2008 nachgemeldet wurden und damit die Statistik 2009 „belasten”. Unabhängig von diesen statistischen Erfassungsmodalitäten steht für Schlie jedoch fest, dass die Polizei weiterhin mit verstärkten Kontrollen, Dämmerungsstreifen und Schwerpunkteinsätzen Tageswohnungseinbrüchen versucht vorzubeugen.
Mehr Betrug – Internet wird immer häufiger zum Tatwerkzeug
Ins Gewicht fallen die Vermögens- und Fälschungsdelikte. Sie stiegen 2009 um 6.100 Fälle. Insgesamt gingen 36.400 Vermögens- und Fälschungsdelikte in die polizeiliche Kriminalstatistik ein, so viel wie seit zehn Jahren nicht mehr. Hauptursache sind ein Viertel mehr Betrugsdelikte. Unter den 27.900 Betrügereien sind allein 2.900 so genannte Schwarzfahrer, 39 Prozent mehr als 2008. „”Die Verkehrsunternehmen kontrollieren mehr und zeigen das Erschleichen von Leistungen offenbar konsequent an”", sagte Schlie. Ein weiterer Grund für den Anstieg der Vermögens- und Fälschungsdelikte sind die Möglichkeiten, die das Internet zur Verfügung stellt. Es wird häufiger zum Tatwerkzeug, weil Betrügereien bequem von zu Hause aus eingeleitet und vollzogen werden können. Der Waren- und Warenkreditbetrug mit Hilfe des Internets gingen im vergangenen Jahr um fast 40 Prozent auf 6.200 Fälle nach oben.


