Weniger Verkehrstote
22. Februar 2010 | Themenbereich: Baden-Württemberg, Verkehr | Drucken„Wir können mit 535 Verkehrstoten erneut einen Tiefststand verzeichnen, aber der Trend nach unten hat sich deutlich verlangsamt.” Das sagte Innenminister Heribert Rech bei der Vorstellung der Unfallbilanz 2009 am Montag, 22. Februar 2010, in Stuttgart. Der Rückgang im vergangenen Jahr habe 2,9 Prozent betragen, dem stünden allerdings beinahe zwölf Prozent im Jahr 2008 gegenüber. Deshalb müsse sowohl in der Prävention als auch in der Repression noch mehr getan werden. Auch die Verkehrsteilnehmer sollten sich die Gefahren und Risiken im Straßenverkehr deutlicher vor Augen führen und sich an die Regeln halten.
Die Verkehrsunfälle hätten im vergangenen Jahr um 2,4 Prozent auf 263.057 zugenommen, die Anzahl der Unfälle mit Verletzten sei von 37.982 auf 35.916 (minus 5,4 Prozent) gesunken. Dabei seien 47.420 (Vorjahr: 49.673, minus 4,5 Prozent) Personen verletzt oder getötet worden. (Tote: 535 – Vorjahr 551 minus 2,9 Prozent, Schwerverletzte: 9.160 – Vorjahr 9.303, minus 1,5 Prozent, Leichtverletzte: 39.819 – Vorjahr 37.725, minus 5,3 Prozent). „Um diese abstrakte Zahlen richtig einzuordnen, müssen wir sehen, dass in Baden-Württemberg pro Tag durchschnittlich 130 Menschen durch Verkehrsunfälle mehr oder weniger schwer verletzt werden”, sagte Rech.
„Wer erlebt hat, was es heißt, für immer an den Rollstuhl gefesselt zu sein oder schwerste Verletzungen mit bleibenden Schäden erlitten zu haben, wird verstehen, dass mich diese Zahlen zutiefst berühren”, sagte der Innenminister. Angesichts des damit verbundenen Leids dürfe man es nicht bei der Analyse nüchterner Daten belassen. Deshalb müsse es gelingen, die Menschen emotional zu erreichen und sie für die Gefahren des Straßenverkehrs zu sensibilisieren. Jeder sei gefordert, seinen Beitrag zu einer sicheren Mobilität zu leisten. „Vorsicht, gegenseitige Rücksicht und Toleranz sind die Grundpfeiler dafür, dass jeder gesund am Ziel ankommt”, sagte Innenminister Rech.
Autobahn
Auf den Autobahnen sei die Zahl der Verunglückten um 6,4 Prozent (3.044), die der Getöteten von 51 auf 45 um 11,8 Prozent und die der Schwerverletzten um 14 Prozent auf 448 zurückgegangen.
Unfallursachen
Nach wie vor sei bei den Verkehrsunfällen mit Verletzten nicht angepasste oder überhöhte Geschwindigkeit mit einem Anteil von 22 Prozent Hauptunfallursache, gefolgt von Vorfahrtsverletzungen (19 Prozent), Fehlern beim Abbiegen, Wenden oder Rückwärtsfahren und Abstand (beide 16 Prozent) sowie mangelnde Verkehrstüchtigkeit aufgrund von Alkohol, Drogen oder Medikamenten (acht Prozent).
Kontrollen
„Angesichts der Dominanz der Unfälle wegen zu hoher Geschwindigkeit werden wir auch in diesem Jahr scharf kontrollieren”, so der Innenminister. In Baden-Württemberg würden auch geringe Geschwindigkeitsverstöße verfolgt. Langjährige Erfahrungen belegten, dass der Zwang zum Einhalten der vorgeschriebenen Höchstgeschwindigkeit nachweislich die Folgen der Unfälle mindere und auch die Unfallzahlen zurückgingen.
Neben der Geschwindigkeitsüberwachung würden auch die Kontrollen wegen Verkehrstüchtigkeit und Gurtanlegepflicht unvermindert fortgesetzt werden. „25 Prozent der tödlich Verletzten waren nicht angegurtet, da verbietet sich jede Schönrederei. Dies ist Grund genug, hier einen Überwachungsschwerpunkt zu setzen”, betonte der Innenminister.
Motorradfahrer
Nach einem deutlichen Rückgang im Jahr 2008 von 132 auf 114 sei im vergangenen Jahr die Zahl der getöteten motorisierten Zweiradfahrer leider wieder auf 119 angestiegen. „Jeder fünfte Getötete war ein Motorradfahrer, dies ergibt eindeutig Handlungsbedarf”, sagte der Minister. Zum einen würden viele Informationsveranstaltungen wie Biker-Treffs durchgeführt, um über Gefahren und Risiken aufzuklären und gezielte Tipps zu geben. Zum anderen müssten auch wieder Spezialisten mit moderner Technik – beispielsweise Videomotorrädern – die Szene intensiv überwachen. „Diese baden-württembergische Doppelstrategie wird ohne Einschränkung fortgesetzt”, so der Innenminister.
Verkehrsprävention
Bei der Verkehrssicherheit setze die Polizei auf eine frühzeitige und intensive zielgruppenorientierte Präventionsarbeit, die vom Kindergarten bis zu den Senioren alle Altersgruppen einschließe. Verkehrsunfallprävention und Verkehrsüberwachung seien eindeutig Hauptaufgabenfelder. „Angesichts der erheblichen Folgen für die Bevölkerung hat sie deshalb den gleichen hohen Stellenwert wie die Kriminalitätsbekämpfung”, sagte Innenminister Rech. Dabei müsse nicht wiederholt werden, dass präventive und repressive Verkehrssicherheitsarbeit zum Wohl, Schutz und der Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger und nicht gegen sie durchgeführt würde.


