Gewaltübergriffe unter Gefangenen
1. Februar 2010 | Themenbereich: Nordrhein Westfalen, Strafvollzug | DruckenDie Zahl der Fälle, in denen ein Verdacht auf Gewaltübergriffe unter Gefangenen in Haftanstalten des Landes besteht, ist im vergangenen Jahr erneut deutlich gesunken. Registriert wurden 26 solcher Fälle – im Jahr 2008 waren es 41 und im Jahr 2007 noch 53. Damit hat sich die Zahl der Verdachtsfälle binnen zwei Jahren mehr als halbiert, teilte Justizministerin Roswitha Müller-Piepenkötter in ihrem jährlichen Bericht an die Vollzugskommission des Landtags mit.
“Wir müssen immer berücksichtigen, dass in unseren Justizvollzugsanstalten täglich über 17.000 Gefangene untergebracht sind. Davon sitzen mehr als ein Drittel wegen Gewaltdelikten ein. Vor diesem Hintergrund werden sich Übergriffe unter Gefangenen leider niemals vollständig unterbinden lassen”, erklärte die Ministerin. “Die jüngsten Fallzahlen bestätigen aber eindrucksvoll, dass die von uns eingeführten und konsequent umgesetzten Maßnahmen zur Verhinderung von Gewalttaten ihre Wirkung entfalten. Das ist vor allem dem Einsatz der Bediensteten im nordrhein-westfälischen Justizvollzug zu verdanken.”
In der Statistik werden Verdachtsfälle von einigem Gewicht erfasst, so etwa bei Hinweisen auf länger andauerndes Schikanieren, auf erhebliche Verletzungsfolgen oder auf einen sexuellen Hintergrund eines vorgeworfenen Übergriffs. Die für das Jahr 2009 berichteten 26 Verdachtsfälle betreffen insgesamt 16 Justizvollzugsanstalten.
Hintergrund:
Der Grund, warum in manchen Anstalten mehr, in anderen weniger oder überhaupt keine Hinweise auf mögliche Gewaltübergriffe unter Gefangenen zu verzeichnen sind, kann beispielsweise auf Größe und Vollstreckungszuständigkeit der Anstalt zurückgeführt werden. So wurde aus den Anstalten des offenen Vollzuges insgesamt nur ein Verdachtsfall berichtet. Zwischen weiblichen Inhaftierten ist es im Jahr 2009 erneut nicht zu berichteten Gewaltübergriffen gekommen.
Im geschlossenen Vollzug finden in jenen Anstalten, in denen in der Regel oder auch nur zeitweise schwierigere Gefangene untergebracht sind, naturgemäß mehr Gewaltübergriffe statt. In Anstalten bzw. Abteilungen, in denen junge männliche Gefangene untergebracht sind, sind – gemessen an deren Anteil an der Gesamtzahl der Inhaftierten – am häufigsten Gewaltübergriffe zu verzeichnen. Dieses Phänomen ist darauf zurückzuführen, dass junge Männer auch außerhalb des Vollzuges überdurchschnittlich häufig mit Gewaltdelikten in Erscheinung treten.


