Sozialtherapeutische Anstalt in der JVA Tegel

25. Januar 2010 | Themenbereich: Berlin, Strafvollzug | Drucken

Im Januar 1970 wurde die Sozialtherapeutische Anstalt (SothA) unter dem Dach der JVA Tegel als einer der ersten Modelleinrichtungen dieser Art in der Bundesrepublik Deutschland eröffnet. Voran ging eine jahrelange Reformdebatte über Entwicklungsmöglichkeiten des damals recht verkrusteten Strafvollzugs. Auftrag der SothA war nun, besonders rückfallgefährdete Straftäter so zu behandeln, dass sich die Begehung zukünftiger Straftaten deutlich reduziert.

Methodisch kommen bis heute intensive psychotherapeutische und sozialpädagogische Mittel zur Anwendung, mit denen die Legalprognosen verbessert werden sollen. Den Inhaftierten wird mehr Verständnis für die Ursachen ihrer Kriminalität und eine bessere Fähigkeit vermittelt, um ihr Verhalten zu kontrollieren bzw. können die Inhaftierten dadurch zu einer Veränderung ihrer Persönlichkeit beitragen.

Die SothA in der JVA Tegel beschäftigt sich mit ganz verschiedenen Gefangenen: mit überwiegend mehrfach rückfälligen schweren Gewalt- und Sexualstraftätern, die Zeitstrafen, nicht selten aber auch lebenslange Haftstrafen, Freiheitsstrafen mit anschließender Sicherungsverwahrung oder Sicherungsverwahrung verbüßen.

Außer durch eine intensive Behandlung werden Inhaftierte in der SothA auch durch unterschiedliche Vollzugslockerungen auf ihre Entlassung vorbereitet. Durch gezielte, therapeutisch begleitete Außenmaßnahmen, in denen es um Wohnraum- und Arbeitsbeschaffung, um die Schaffung eines nichtkriminelles Umfeldes sowie um die „Anbindung” der Betroffenen an kompetente Beratungs- und Nachsorgeeinrichtungen geht, soll die Situation vermieden werden, dass die Inhaftierten am Ende der Haft mit der berühmten „Plastiktüte” in der Hand unvorbereitet in ihr altes soziales Umfeld entlassen werden, was ihr Rückfallrisiko deutlich erhöhen würde.

Justizsenatorin Gisela von der Aue: „Entgegen landläufiger Meinung, dass schwere Straftäter ‚einfach wegzusperren’ sind, zeigt sich gerade in der Arbeit der Sozialtherapeutischen Anstalt, dass Inhaftierte, die gezielt behandelt worden sind, nach der Entlassung deutlich seltener rückfällig werden als Inhaftierte, die eine solche Behandlung nicht durchlaufen haben.”

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