Außergewöhnliche Hilfsmaßnahmen der IPA Essen
18. November 2009 | Themenbereich: Nordrhein Westfalen, Wir sind Polizei | DruckenÜber die Polizei Gütersloh erhielt die IPA -Verbindungsstelle Essen Kenntnis, dass sich der lettische Polizeibeamte Igors Cirulis (41 Jahre) in Essen aufhält. Sein 17jähriger Sohn Aleksejs befindet sich im Essener Klinikum, weil er eine Lebertransplantation erhalten soll. Der Vater wollte einen Teil seiner Leber spenden. Die Behandlung der Krebserkrankung sollte mittels Krankenversicherung und Spendengelder finanziert werden. So war auch der Hinflug beider Personen nach Essen bereits bezahlt.
Der Vater verfügt über ein Monatseinkommen von etwa 350,00 Euro und ist der deutschen und englischen Sprache nicht mächtig. So bat die Polizei Gütersloh, die seit Jahren engen Kontakt zu der Polizei Valmiera im Verwaltungsbezirk Didzeme, Lettland, hat, um Unterstützung.
Igor Cirulis war zwar über das Krankenhaus günstig untergebracht, hätte aber auch einen kurzfristigen Aufenthalt mit eigenen Mitteln nicht finanzieren können. So brachte unsere Verbindungsstelle den Kollegen unverzüglich kostenlos in Krankenhausnähe unter und versorgte ihn mit Lebensmitteln. Im Rahmen der anfänglichen Betreuung, die sich aufgrund der Sprachbarriere umständlich erwies, konnte über kostenlose Telefonübersetzung russisch / deutsch zumindest erfahren werden, wie geholfen werden kann. Mit einer zweimonatigen Unterstützung wurde gerechnet.
Zwecks Mobilität im Essener Stadtgebiet überließ die Essener Verkehrs AG kostenlos eine personifizierte Monatskarte. Es wurde ein ausgemustertes Handy mit einer Prepaid-Karte beschafft, um seine eigenen Handykosten zu reduzieren. Igors hätte bei jedem Inlandsgespräch über Lettland nach Deutschland telefoniert.
Da unverkennbar war, dass Vater und Sohn verständlicherweise in einem psychischen Tief steckten, wurde dem Vater ein Fahrrad zur Verfügung gestellt und dem Mitleiderregenden Sohn diverse Computerspiele geschenkt.
Die Kontaktaufnahme mit allen Beteiligten erwies sich für die Polizeibeamten des Präsidiums Essen sehr einfach, unbürokratisch und hilfreich. So konnte eine effektive und zeitnahe Unterstützung gewährt werden.
Alles konnten die Essener Beamten geben oder beschaffen, nur die Herstellung von Sozialkontakten erwies sich als schwierig. Über die russische Kirchgemeinde in Essen-Frohnhausen kam der Kontakt zum dortigen Pfarrer zustande. Vor dem Gottesdienst konnten die Gesamtumstände geschildert und Hilfsangebote erhalten werden. Igors hätte täglich den Geistlichen sprechen können.
Erst nachdem sein ehemaliger Kollege Andris Kusners (Polizeioffizier aus Lettland), der nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion in die Bundesrepublik umsiedelte, von Hannover nach Essen fuhr, um seinem Kameraden beizustehen, war der weitere Weg ein Selbstläufer.
Wir waren nun ständig auf dem Laufenden und konnten zeitnah unterstützen.
Letztendlich stellte das Krankenhaus fest, dass die Operation nicht durchgeführt werden kann, da sich der Krebs sehr stark ausgebreitet hat. Es wurde eine Chemotherapie in Riga angeregt. Nun gab es den Transport abzusprechen. Ein komplett besetzter Krankenwagen zum etwa 1.500 km ent-fernten Riga hätte 8.000,00 Euro gekostet. Bei einem Flug musste überprüft werden, ob die angebrachten Kabel und Schläuche der lebensunterstützenden Geräte die Druckunter-schiede bewältigen.
Da mehrere Institutionen auch wegen der Kostenübernahme eingebunden waren, gab es mehrmals tägliche Änderungen, die letztendlich zu keiner Maßnahme führten. Die Übernahme der Rückführkosten waren nicht in kompletter Höhe zugesichert. Der Hilfsverein der Polizei Mülheim David und Goliath und die IPA-Verbindungsstelle Essen wollten für den Restbetrag bürgen.
Nach Tagen voller Erwartungen und Hoffnungen unterlag der 17jährige Aleksjs seinem Krebsleiden und verstarb in Essen.
Abschließend möchte ich mich bei allen Helfenden recht herzlich bedanken.
Insbesondere bei der Hilfsorganisation der Polizei Mülheim, David und Goliath, welche sofort und ohne anfängliche Über-prüfung finanzielle Hilfe zusagte, Frau Dr. Dohna (Uniklinikum Essen), welche umfangreiche und effektive Hilfsangebote in die richtigen Bahnen lenkte, der Essener Elterninitiative zur Unterstützung krebskranker Kinder e.V. und dem Malteser Hilfsdienst.
Ohne die aufgeführten und beteiligten Helfer, wie auch den unterstützenden Angehörigen des Polizeipräsidiums Essen wäre die Hilfe in dieser Art und Umfang nicht möglich gewesen.
Rainer Wittka
(Verbindungsstellenleiter IPA Essen)


