Engagierter Rechtsmediziner tritt in den Ruhestand

30. September 2009 | Themenbereich: Brandenburg, Bund Deutscher Kriminalbeamter, Interessenvertretungen | Drucken

Zum 30. September 2009 verlässt der langjährige Direktor des Brandenburgischen Landesinstituts für Rechtsmedizin in Potsdam, Herr MR Dr. med. Wolfgang Mattig zum letzten Mal sein Institut als Chef des Hauses. Ein Abschied ist immer ein Rückblick. Dr. Mattig tritt in den wohlverdienten Ruhestand und kann wahrlich auf eine Bilanz seines Arbeitslebens zurückblicken, die stolz machen kann.

Der hier aus dem offiziellen Arbeitsleben geht, ist nicht nur ein hervorragender Rechtsmediziner und Institutsdirektor, sondern auch ein weit über die Grenzen seines unmittelbaren Arbeitsbereiches hinaus engagierter Verfechter einer fachlich und materiell, wie personell ausreichend ausgestatteten Gerichtsmedizin.

Seit 1991 an der Spitze des Instituts stehend, stand Dr. Mattig regelmäßig im Abwehrkampf gegen den Rotstift auch bei der Brandenburger Rechtsmedizin. Es bleibt sein besonderes Verdienst, trotz der insbesondere personell stets knappen Ressourcen immer ein Verfechter einer fachlich, wie ethisch hervorragenden gerichtsmedizinischen Arbeit in Brandenburg gewesen zu sein. Dabei scheute er weder die mediale Öffentlichkeit, wenn er als Warner vor weiterem Aderlass bei der rechtsmedizinischen Versorgung auftrat, noch sein Engagement als Privatdozent, wo er z. B. an der Viadrina angehenden Juristen Grundlagen und Notwendigkeiten rechtsmedizinischer Arbeit nahe brachte.

Der Bund Deutscher Kriminalbeamter hatte in ihm stets einen kompetenten und engagierten Mitstreiter, wenn es um den Erhalt einer qualitativ hochwertigen Untersuchung von Verbrechen gegen Leben und Gesundheit ging und Standard für die ärztliche Leichenschau erhalten und durchgesetzt werden sollten. Gerne erinnert sich der BDK an seinen Landesdelegiertentag im März 2009, wo Dr. Mattig unter den Ehrengästen weilte und an der ersten Verleihung des Hans-Groß-Preises für herausragende Verdienste um die Kriminalistik teilnahm.

Gerade in der wissenschaftlichen Kriminalistik spielt die Rechtsmedizin seit über hundert Jahren eine überragende Rolle in der Beweisführung von Tötungsdelikten. Rechtsmediziner wie Dr. Mattig und die Kriminalisten des BDK verfolgen hier dieselben Ziele. So bleibt es unser Wunsch, dass Dr. Mattig auch im Ruhestand seine Stimme weiterhin für die Rechtsmedizin erheben wird und wünschen ihm für seinen neuen Lebensabschnitt alles erdenklich Gute.

Der BDK fordert eine umfassendere und breitere rechtsmedizinische Versorgung in Deutschland. Dazu gehört auch eine Reform der ärztlichen Leichenschau. Nur mit einer von speziell geschulten Gerichtsmedizinern oder Amtsärzten durchgeführten Leichenschau ist dieser Problematik zu begegnen.

Der BDK beklagt zudem seit Jahren, dass bundesweit viel zu wenig obduziert wird. Insgesamt geht es darum, das Dunkelfeld bei Tötungsdelikte, die bisher als solche nicht erkannt werden, zu verkleinern.

Die rechtsmedizinische Versorgung in Brandenburg muss nach Auffassung der Kripo-Gewerkschaft auf Dauer stabil gewährleistet und ausgebaut werden. Der BDK fordert deshalb seit Jahren, neben dem Hauptsitz des Brandenburgischen Landesinstituts in Potsdam und der Außenstelle in Frankfurt (Oder) eine Prosektur auch in Cottbus.

Die Sorge um die die Reduzierung rechtsmedizinischer Kapazitäten wird auch von der Justizministerkonferenz geteilt. Diese fordert zudem ebenfalls eine Verbesserung der ärztlichen Leichenschau (Beschluss der 79. Konferenz der Justizministerinnen und Justizminister vom 11. und 12. Juni 2008).

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