Verhinderung von sexuellem Kindesmissbrauch
12. März 2009 | Themenbereich: Bundesländer, Schleswig-Holstein | DruckenJustizminister Uwe Döring hat gemeinsam mit der Sektion für Sexualmedizin des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein den Startschuss für das Behandlungsprojekt “Kein Täter werden” gegeben. Das Projekt richtet sich an Männer mit pädophilen Neigungen bevor diese durch Kindesmissbrauch straffällig werden. “”Mit unserer Initiative erweitern wir das Angebot des Landes von Therapie- und Behandlungsmaßnahmen, das sich bislang auf verurteilte Straftäter in und nach der Haft bezog, um ein wichtiges Präventionsprojekt”", erklärte Uwe Döring. “Mit diesem Projekt haben wir erstmals die Chance, potentielle Straftäter im Dunkelfeld der Gewalt an Kindern zu erreichen und somit Übergriffe auf Kindern zu verhindern”.
Beim schleswig-holsteinischen Behandlungsprojekt können sich wie beim Berliner Vorbild, das von Professor Klaus Beier an der Charité seit drei Jahren erfolgreich praktiziert wird, Männer mit pädophilen Neigungen anonym melden und Hilfe erhalten. Schleswig-Holstein ist das erste Bundesland, das finanzielle Mittel aus dem Landesetat für ein solches Projekt zur Verfügung stellt. Das Projekt ist bei der Sektion für Sexualmedizin des Uniklinikums Schleswig-Holstein angesiedelt und wird mit rund 80.000 Euro pro Jahr gefördert. “Die Projektarbeit liegt allerdings ausschließlich in den Händen von Professor Hartmut Bosinski und seinen Mitarbeitern”, betonte der Minister. “”Das Land stellt lediglich das Geld zur Verfügung”.” Professor Bosinski ergänzte, dass “Anrufer anonym und vertraulich behandelt werden. Die ärztliche Schweigepflicht gilt selbstverständlich auch hier, es werden keine Daten weitergegeben”, so Bosinski.
Ein überfälliger Schritt
Die Kinderschutzorganisation “Hänsel + Gretel” hat das Berliner Projekt von Beginn an gefördert und wird dies auch in Schleswig-Holstein tun. Die Vorsitzende der Stiftung, Baden-Württembergs frühere Sozialministerin Barbara Schäfer-Wiegand, sagte zum Aufbau des Kieler Angebots: “”Es ist ein ermutigender Schritt für den Schutz von Kindern vor sexualisierter Gewalt in ihrem sozialen Nahfeld. Ein Schritt, der überfällig ist. Alle Bundesländer sind aufgefordert, dem Beispiel des Landes Schleswig-Holstein zu folgen.”"
Wie Döring weiter betonte, reiht sich das Präventionsprojekt „Kein Täter werden” nahtlos in die bereits bestehenden schleswig-holsteinischen Hilfs- und Behandlungsangebote für Sexualstraftäter im Strafvollzug und nach der Haftentlassung ein. Im Strafvollzug der Justizvollzugsanstalten des Landes Schleswig-Holstein kommt seit Jahren der Behandlung von Sexualstraftätern eine hohe Bedeutung zu. Eine qualifizierte Behandlung und Therapie wird durch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kieler Sexualmedizin, des Zentrums für integrative Psychiatrie und der Kinder- und Jugendpsychiatrie der Christian-Albrechts-Universität geleistet.
Zudem hatte Justizminister Döring im September 2008 ein zusätzliches Maßnahmepaket zum Umgang mit verurteilten Sexualstraftätern vorgestellt. Das drei Punkte-Programm sieht zum einen vor, dem Sicherheitsbedürfnis der Bevölkerung durch das Kieler Sicherheitskonzept Sexualstraftäter (KSKS) in Zukunft noch besser gerecht zu werden; zum anderen wird die Betreuung für verurteilte Sexualstraftäter in Schleswig-Holstein weiter ausgebaut.


