Kripo-Gewerkschaft fordert Erhalt des Kriminalistenberufs
5. März 2009 | Themenbereich: Aktion WIR, Interessenvertretungen | DruckenAuf dem 7. ordentlichen Landesdelegiertentag des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK) – Landesverband Brandenburg – haben heute am Helenesee bei Frankfurt (Oder) 80 Delegierte aus dem gesamten Land Brandenburg unter dem Motto “Tatort Deutschland – Der Stellenwert der Kriminalistik in der Hochschulausbildung” über die langjährigen, wie aktuellen Fehlentwicklungen in der Kriminalpolizei Brandenburgs beraten.
Personalabbau seit Polizeireform
Spätestens seit der Polizeireform 2008 sieht sich die Polizei im Allgemeinen und die Kripo im Besonderen mit einem erheblichen Personalabbau konfrontiert. Bis Ende 2009 werden 400 Stellen bei der Kriminalpolizei abgebaut, weitere Kürzungen bei der Polizei sind bereits in Planung. Das allein wird zu weiteren spürbaren Defiziten bei der Kriminalitätsbekämpfung führen.
Brandenburg ist nach wie vor eines der Flächenländer mit der höchsten Kriminalitätsbelastung pro Einwohner. Rohheitsdelikte, Rauschgiftkriminalität, Sexualdelikte, Wirtschaftsstraftaten und insbesondere die so genannte Informations- und Kommunikationsdelikte (Internetkriminalität) steigen seit Jahren an oder sinken nur scheinbar mangels ausreichender Ermittlungsintensität.
Doch während die Anforderungen an die Kriminalitätsbekämpfung steigen, wird die Kriminalpolizei Brandenburgs systematisch entprofessionalisiert:
- keine Ausbildung von Kriminalisten seit 1990
- seit 10 Jahren kein Direkteinstieg in die Kripo nach der Ausbildung
- alternativlose mehrjährige Erstverwendung in der Bereitschaftspolizei
- jahrelange Anschlussverwendung in der Schutzpolizei
- faktisch keinerlei berechenbare Nachwuchsplanung für die Kripo
- völlig unzureichende Fortbildungsangebote
- Wegfall jedweder verpflichtender Schulung vor Wechsel in die Kripo
- Bewerbermangel durch schlechte Karrierechancen
- rasant ansteigende Überalterung
Aus- und Fortbildung
Mit der Annahme zahlreicher Anträge zum Themenkreis Aus- und Fortbildung legt der BDK seine Forderungen für eine effektive und professionelle Kriminalpolizei der Öffentlichkeit vor:
- ein eigenständiges kriminalistisch orientiertes Berufsbild für die Kriminalpolizei
verwendungsorientierte Ausbildung von Schutz- und Kriminalpolizei (Modularisierung der Ausbildung)
bundeseinheitliche Standards für die Aus- und Fortbildung der Kriminalpolizei - Einrichtung von regionalen, länder- und grenzübergreifenden kriminalistischen Kompetenzcentern (KKC) für die Fortbildung verstärkte Einstellung von geeigneten externen Bewerbern direkt zur Kriminalpolizei (z.B. IT-Spezialisten, Naturwissenschaftler, Betriebswirte, Deutsche mit Migrationshintergrund) Übernahme geeigneter oder spezialisiert vorgebildeter Bewerber aus der Schutzpolizei nach verpflichtender kriminalpolizeilicher Fortbildung
- Einstellung von Tarifbeschäftigten zur Unterstützung der kriminalpolizeilichen Sachbearbeitung, z.B. im Geschäftsdienst oder der Kriminaltechnik.
Der BDK sieht sehr wohl die Einordnung dieser Entwicklungen in den Kontext des Umbaus im gesamten Öffentlichen Dienst. Mit dem Rückzug aus der Spezialisierung, der Forcierung einer beliebigen Austauschbarkeit von Bediensteten, mangelnder Nachwuchsgewinnung und längeren Lebensdienstzeiten provoziert die Landesregierung eine Verwaltungskrise, die in den nächsten Jahren für jeden einzelnen Bürger spürbar werden wird.
„Wir brauchen nach 20 Jahren Einheitsausbildung- und fehlendem Direkteinstieg in die Kripo endlich wieder eine berechenbare berufliche Laufbahn für Kriminalisten vom ersten Tag an, sonst gibt es in Brandenburg bald keine professionelle Kriminalpolizei mehr! Und das betrifft dann jeden Bürger.”, so Treutler abschließend.


