Gewerkschaft der Polizei deckt Manipulationen auf
24. März 2008 | Themenbereich: Baden-Württemberg, Gewerkschaft der Polizei | DruckenWurde die Präsentation der Musterkollektionen einer neuen (blauen) Dienstkleidung unter Leitung des Inspekteurs der Polizei absichtlich manipuliert?
Diese Frage beschäftigt sehr viele Polizeibeamtinnen und -beamte des Landes und die Gewerkschaft der Polizei, seit Bekanntgabe der völlig unverständlichen Auswahlentscheidung für eine neue Dienstkleidung der Polizei in Baden-Württemberg. Die GdP hat danach bekanntlich in einem Schreiben an Herrn Innenminister Rech die weitere Mitarbeit in dem Pro-jekt „Neue Uniform“ aufgekündigt.
Über mehrere Monate haben sich innerhalb der Polizei ohne Not – angeblich nach einer Entscheidung des Ministerpräsidenten für die blaue Farbe - zahlreiche Arbeitsgruppen Gedanken über ein neues Outfit für die Polizei des Landes Baden-Württemberg gemacht.
„Der Landesrechnungshof hätte eine umfassende Aufgabe, die Kosten für die unzähligen Projektgruppen zu erheben und zu analysieren“, so Josef Schneider, Landesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei heute in Stuttgart.
Als Ergebnis der Projektgruppensitzungen kam es im Innenministerium Baden-Württemberg zur Vorstellung von 3 Musterkollektionen und einer Auswahlentscheidung, die jetzt für große Aufregung innerhalb der Polizei sorgt.
Die Gewerkschaft der Polizei hat das Zustandekommen der Auswahlentscheidung recherchiert. Landesvorsitzender Josef Schneider: „Das Ergebnis ist eindeutig. In zahlreichen Interviews, die die GdP heute veröffentlichte, wurde eines deutlich: Die Arbeitsgruppe, die die Auswahlentscheidung zu treffen hatte, wurde be-wusst hinters Licht geführt. Ihre Entscheidung wurde manipuliert. Deshalb hat die Gewerkschaft der Polizei Herrn Ministerpräsident Oettinger gebeten, den Leiter des Projekts von seinen Aufgaben zu entbinden.
Wie die Gewerkschaft der Polizei in ihrer Mitgliederzeitung ‚Deutsche Polizei’ , Ausgabe April 2008, berichtet, wurden Modelle zumindest einer Musterkollektion entgegen der Vorgaben der Designerinnen entweder erheblich verändert oder sie wurden erst gar nicht produziert. (siehe auch www.gdp-bw.de)
„Der Inspekteur der Polizei, bekennender ‚Uniformfreund’ und Leiter der ‚Projektgruppe Blaue Uniform’ im Innenministerium Baden-Württemberg ließ von Anfang an keinen Zweifel daran, dass er etablierte und bewährte Elemente der alten Dienstkleidung abschaffen will“, so Josef Schneider, Landesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei.
Stattdessen trat er für eine sog. ‚Paradeuniform’ ein, die er als Innendienstuniform bezeichnete.
Der bisherige Lederblouson und die bewährte Jeanshose wurden in einem unter Federführung des Inspekteurs der Polizei erstellten Anforderungskatalog des Innenministerium von vorneherein als ‚unerwünscht’ deklariert. In einer landesweiten und durchaus repräsentativen Befragung der Gewerkschaft der Polizei haben sich die Polizisten des Landes zu nahezu 100 % für den Erhalt dieser komfortablen und bewährten Kleidungsstücke ausgesprochen.
Das europaweit bereits zum Stand polizeilicher Dienstkleidungen gehörende ‚Base-cap’ – die moderne und sportliche Alternative zum Hutrelikt vergangener Zeiten – wurde ebenso als zu modern eingestuft, wie das Poloshirt, um das Polizisten aus ganz Europa von ihren baden-württembergischen Kollegen bereits jahrelang beneidet werden.
„Über Modebewusstsein lässt sich trefflich streiten. Wer aber im Anforderungsprofil an die neue Dienstkleidung zusätzliche Knopflöcher für Manschettenknöpfe fordert und stattdessen auf funktionale und bewährte Elemente bewusst verzichtet, der zeigt, dass er zumindest was Mode anbelangt, vor mehreren Jahren stehengeblieben ist“, kritisiert GdP-Chef.
Betrogen fühlen sich nicht nur unsere baden-württembergischen Kolleginnen und Kollegen, sondern auch die offensichtlich bewusst ausgebootete Modefachschule Sigmaringen, deren Modelle farblich verändert oder erst gar nicht produziert wurden.
Bettina Wirschun, Dozentin für Modedesign an der Modefachschule Sigmaringen:
„Ich habe in meiner langjährigen Berufserfahrung schon vieles erlebt. Die Erlebnisse, die ich im Zusammenhang mit dem Innenministerium Baden-Württemberg gemacht habe übertreffen aber alles bisher Dagewesene… Wenn man ganz offensichtlich nur benutzt wird, um bereits im Vorfeld getroffene Entscheidungen zu ‚legalisieren’, dann ist dies ebenso frustrierend wie beschämend zugleich, insbesondere weil man hier wohl von den obersten Polizisten dieses Landes hintergangen wurde, von denen man ein solches Verhalten nicht er-wartet hätte.“
Josef Schneider: „Zur Auswahlentscheidung wurden der Projektgruppe im Innenministerium insgesamt 3 Musterkollektionen vorgeführt. Dass es dem Projektgruppenleiter und Inspekteur der Polizei, Dieter Schneider, zu keiner Zeit um eine demokratische Entscheidung ging, zeigt neben den in den Interviews der Gewerkschaft der Polizei geschilderten Umständen auch die Tatsache, dass diejenigen, die die letztendlich mehrheitlich ausgewählte Kollektion vorstellten, als stimmberechtigte Mitglieder der Projektgruppe abstimmen durften, während man die Vertreterinnen der Modefachschule vor die Tür stellte.“
Josef Schneider: „In einer geheimen Kommandosache wurde die Entscheidung des Ministerrats vom 10.07.2007 vorbereitet, dabei wurden die Bekleidungskonten der Polizeibeamtinnen und –beamten in einer Nacht- und Nebelaktion gesperrt und bis auf einen geringen Betrag geleert. Das Ergebnis der Projektarbeit wurde bis hin zu ‚weißen’ Hemden gezielt gesteuert – weil es von Anfang an so feststand. Wenn einer den Karren so an die Wand fährt, wie unser Inspekteur der Polizei, dann muss er ausgetauscht werden.“
Der Beweis für die zweite große Lüge im Zusammenhang mit der Einführung der blauen Dienstkleidung steht unmittelbar bevor. Bereits 2009 soll sie landesweit und kostenneutral eingeführt werden.
Josef Schneider: „Wer die Ausstattung von über 24.000 Polizeibeamtinnen und –beamten mit einer neuen Dienstkleidung kostenneutral über die Bühne bringen will ist entweder unehrlich oder wie in seinem Modebewusstsein gedanklich vor etwa 30 Jahren stehen geblieben.“
